BERUHIGUNGSMITTEL??

Unter der Überschrift:

Ist der Wolf ein Problemfall? Wichtige Fragen zum Wolf

Hat das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz vor wenigen Tagen in der Sächsischen Zeitung noch einmal die offizielle Denkart zu Isegrim dargelegt. Was dabei der Presse als vermeintlich beruhigende Antworten angeboten wurde, kommt bei den Anwohnern der Wolfsgebiete und insbesondere den dort tätigen Tierhaltern nur noch als plumpe Propaganda an (die offiziellen Antworten können im verlinkten Originalartikel eingesehen werden). Die gestellten Fragen kann man auch so beantworten:

Fressen die Wölfe auch in Sachsen immer mehr Nutztiere?

Richtig, bis Ende November 2016 gab es in Sachsen 40 nachgewiesene Übergriffe von Wölfen, von denen 26 auf ausreichend geschützte Tiere erfolgten. Dabei wurden bisher 201 Tiere verloren, gegenüber 125 im Gesamtjahr 2015 eine alarmierende Tendenz. Mit einer Ausnahme ereigneten sich sämtliche Übergriffe auf geschützte Nutztiere in den seit Jahren besetzten Wolfsterritorien. Wenn von bis dato 201 Tieren über 130 im Territorium eines Wolfsrudels (Rosenthal) verloren oder diesem Rudel zugeschrieben werden, darf man durchaus von einem völligen Versagen der Verantwortlichen oder ihrer Maßnahmen sprechen. Wenn in weiteren Antworten davon gesprochen wird, dass sich Nutztierrisse vorwiegend auf neu durch den Wolf besiedelte Gebiete konzentrieren, dann sein dem Wolfsbüro der Blick in die eigene Statistik anempfohlen. Rosenthal beweist exakt das Gegenteil.

Sind die bisher als sicher geltenden Schutzzäune nicht mehr sicher?

Im Territorium eines Wolfsrudels, welches Schafe als bequem erreichbare und gefahrlose Nahrungsquelle erkannt hat, kann passiver Herdenschutz alleine keinen dauerhaften Schutz mehr bieten. Feldversuche mit immer weiter erhöhten oder verfeinerten Zäunungen sind nicht durch alle Tierhalter leistbar. Sie führen bestenfalls für kurze Zeit zu einer Verlagerung des Problems. Man kann sie auch als die jeweils höhere Dressurstufe bezeichnen.

Werden die Anforderungen an die Tierhalter immer höher?

Zwar werden die Anforderungen an die Tierhalter für einen Schadenersatzanspruch nicht erhöht, aber was nützt es dem Schäfer, wenn sich sein Bestand an Mutterschafen durch die Verluste soweit reduziert, dass er seinen Betrieb nicht mehr wirtschaftlich führen kann.

Werden die Tierhalter nicht mehr in vollem Umfang entschädigt?

Von einer Entschädigung  in vollem Umfang konnte noch nie die Rede sein. Gezahlt werden ohnehin nur Schlachtwerte nach aktuellem (geschätztem) Gewicht. Wird das tragende Mutterschaf gerissen, redet niemand von dem dadurch mit verlorenen Lamm. Verlammen die Tiere durch den Stress von Übergriffen - wer bezahlt das? Wer bezahlt den Zuchtwert von Herdenbuchtieren?

Kann das Reißen von Nutztieren durch Bejagen verhindert werden?

Die aktuellen Schäden in Sachsen konzentrieren sich im Wesentlichen auf ein Wolfsrudel, welches Schafe fest in sein Beuteschema aufgenommen hat. Wenn man hier eine langfristige Lösung des Problems erreichen möchte, muss genau diesem Rudel gezeigt werden, dass der Genuss von Schafen mit tödlicher Gefahr verbunden sein kann. Wölfe sind sehr lernfähig. Entnimmt man eines der Tiere möglichst noch durch den Abschuss nahe einer Schafskoppel, wird es für die Überlebenden eine entsprechende Erfahrung sein. Wie lange diese Erfahrung vorhält, ist nicht vorauszusagen. Dabei ist das keine Bejagung. Es ist eine Entnahme nach dem Naturschutzgesetz, die angesichts der aktuellen Schäden mehr als begründet wäre. Entnimmt man das gesamte Rudel, wird dieses Territorium mit Sicherheit von anderen Wölfen wieder besetzt. Davon auszugehen, dass diese den gleichen Appetit auf Schafe übernehmen, entbehrt jeder Logik, weil sich erlerntes Verhalten nicht durch das Territorium vererben kann.

Wölfe töten Tiere auch in Ortsnähe. Werden sie zur Gefahr des Menschen?

Die Erfahrung mit der „natürlichen Scheu“ von Wölfen in Deutschland, die über mehrere Generationen mit dem Menschen keine negativen Erfahrungen gemacht haben, wurde bereits an anderer Stelle besprochen. Es gehört inzwischen mit Sicherheit zum normalen Verhalten von Wölfen in Deutschland, dass sie sich gegenüber Menschen teilweise provozierend gleichgültig verhalten. Die Anzahl derer, die dabei den Anblick dieser Tiere in Ihrer Nähe nicht als „Lottogewinn“ empfinden und ehrliche Angst haben, dürfte bei weitem überwiegen.

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