Betrieb eingestellt?!

Nach ausdauernder Kritik aus den Reihen interessierter Bürger und vor allem betroffener Weidetierhalter verkündete der sächsische Ministerpräsident vor knapp einem Jahr umfassende  Veränderungen im Wolfsmanagement des Freistaates. Eine schon gefährliche Nähe zu kritiklosen Wolfsschützern und sehr wenig Verständnis für die Anliegen der Bürger gipfelten im Umgang mit Vorfällen wie in Cunnewitz im Juli 2018, als man sich bei einem Riss von Damhirschen in der Ortschaft für nicht zuständig erklärte, weil es sich ja um gerissene Wildtiere handelte. Einen zuständigen Ansprechpartner konnte oder wollte man nicht nennen. Die Entsorgung der gerissenen Tiere übernahm ohne Verpflichtung der örtliche Jagdpächter.

Mit diesem Beispiel aus der Vorgeschichte wurde die Entscheidung allseits begrüßt, dem Wolfsmanagement zumindest personell eine straffere Struktur zu geben. Doch was ist daraus geworden?  Von einem Kreisforstamt wanderte die Zuständigkeit an das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG). Dort wurde die seit dem 01.06.2019 real existierende „Fachstelle Wolf“ eingerichtet, mit Rufnummer, Postfach und Emailadresse, persönliches Erscheinen des Bürgers erscheint nicht erwünscht, die Angabe einer Postadresse wird vermieden. Die angegebene Rufnummer verortet die Dienststelle nach Nossen, was den Vorteil hat, dass es dort deutlich weniger Wölfe gibt als am bisherigen Dienstort Rietschen.

Immerhin haben es einige Mitarbeiter geschafft, sich bei diesem Umzug ihre Arbeitsplätze zu erhalten, was hinsichtlich einer in der Vergangenheit zwar nicht immer brandaktuellen, aber immerhin noch im Ländervergleich beispielgebenden Dokumentation des Wolfsgeschehens in Sachsen Kontinuität erwarten ließ.

Mitnichten!

Wer erwartet hatte, dass es mit einem zeitlich großzügig bemessenen Übergang und Übernahme von Personal einen fließenden Übergang geben würde, findet auf alten und neuen Internetadressen jetzt (17.07.19) gähnende Leere. Sechs Wochen nach Inbetriebnahme bietet diese Fachstelle nicht mehr als Rufnummer und Emaildresse für Bittsteller aus dem gemeinen Volk.

Nicht nur, dass man angesichts der Aufgabe des Kuschelplatzes Ehrlichthof schon länger keinen Ehrgeiz mehr zeigte, die bisher gewohnte Qualität und Aktualität in Sachen Monitoring und Rissgeschehen aufrecht zu erhalten, letzte unerledigte Fälle aus dem vergangenen Jahr sind weiterhin offen, nein, man war offenkundig nicht bereit, das vorhandene Material weiter der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Betrachtet man diese Entwicklung unter dem Aspekt eines Wolfsmanagementplanes aus dem Jahr 2014 und einer neu verfassten Sächsischen Wolfsmanagementverordnung, deren Untertitel „Verwaltungsvorschrift Wolf“ den Geist eher trifft, hat sich der Freistaat, als erstes Bundesland mit Wölfen seiner Führungsrolle erfolgreich entledigt, was das „Management“ dieser Art betrifft. Dem ersten in der Bundesrepublik verfasste Managementplan für den Wolf in Brandenburg (Promberger et al. 1994), ist der Satz eines der wichtigsten Wolfswissenschaftler des 20. Jahrhunderts vorangestellt:

"Wolfsmanagement ist die Summe aller Maßnahmen, die unternommen werden könnten, um Wölfe zu dezimieren oder zu schützen. Die jeweiligen Maßnahmen hängen vom Zustand der Wolfspopulation und ihrem Einfluss auf Wild- oder Haustiere ab." (Pimlott 1961)

Es sind bald 60 Jahre, seit dieser Satz niedergeschrieben wurde. Er hat weder für den Wolf noch für irgendeine Art, die wesentlichen Einfluss auf ihr Ökosystem haben kann seine Bedeutung verloren. Die Tragweite dieser Erkenntnis dürfte das Denkvermögen der im Artenschutz handelnden Personen in Sachsen bei weitem überschreiten.

Die weitere Entwicklung dieses Geschehens wird mit Unbehagen erwartet.

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