Wir haben wieder ein Wolfsbüro in Sachsen. Man ist umgezogen, man wurde dienstlich anders zugeordnet und man nennt sich jetzt

FACHSTELLE WOLF

ganz offiziell mit inzwischen professionell gestalteter Internetseite und 24-Stunden Notfallnummer. Allein die Internetpräsenz kann aber die seit Jahren gepflegten Missstände im sächsischen Wolfsmanagement nicht lösen. Es ist zu hinterfragen, ob hier die neuen Besen gut kehren oder der alte Wein in neuen Schläuchen daherkommt.

Die wichtigste Aufgabe, welche die neue Dienststelle mit dem teilweise neuen Personal zu lösen hat, ist ein fachlich korrekter und fairer Umgang mit den von Rissen geplagten Weidetierhaltern, der Förderung ihres Herdenschutzes und die korrekte Beurteilung der Risse. Ob dies mit dem vorhandenen Personal zentral von Nossen aus möglich sein wird, muss die Zukunft zeigen. So wie es angefangen hat, wird das nicht einfach.

Schon bei der Beschreibung von Schadensvorbeugung und Mindestschutz werden dem Nutzer der Seite Unklarheiten und Widersprüche angeboten, die so nicht lösbar sind. Einige Beispiele:

Zaun 3

-          Zäune müssen mindestens 90 cm hoch sein. Es werden aber weiterhin 90 cm-Netze gefördert, obwohl völlig klar ist, dass diese im Gelände aufgestellt nicht überall 90 cm hoch sein können(Bilder sagen mehr als Worte).

-          Elektrozäune müssen eine Mindestspannung von 2000 Volt haben, oder doch 2500 Volt? Beide Werte werden auf einer Seite angeboten.

-          Zusätzliche Maßnahmen wie Flatterband können kurzfristig zum Mindestschutz erklärt werden. Welcher Tierhalter im Nebenerwerb kann neben seinem Beruf auf solche Anforderungen zeitgerecht reagieren? Sein zuvor geförderter und ordentlich aufgebauter Zaun ist am nächsten Tag kein Mindestschutz mehr.

-          Herdenschutz braucht klare Regeln, was die von den Tierhaltern geforderten Leistungen zum Mindestschutz angeht. Sie dürfen nicht kurzfristig oder nach dem Ermessen von Einzelpersonen verändert werden. Das hatten wir. Das funktioniert nicht.Zaun 1

-       Für die praktische Anwendung der viel gerühmten Wolfsmanagementverordnung sind verbindliche und anwendbare Regelungen zum Herdenschutz unentbehrlich, wenn es darum geht, auf dieser Grundlage auf Weidetiere spezialisierte Wölfe abzuschießen, um das Unwort der Entnahme zu vermeiden.

Die Fachstelle Wolf wurde auf Initiative des Ministerpräsidenten geschaffen, um dem berechtigten Unmut betroffener Weidetierhalter in der Lausitz Rechnung zu tragen und offenkundige Missstände rund um das Wolfsbüro in Rietschen zu beseitigen.  Bei Übernahme eines Teils des Personals eine besondere Anforderung.

Betrachtet man die aktuelle Rissliste, kommen arge Zweifel, ob an neuer Stelle auch ein anderer Geist eingekehrt ist, was den Umgang mit den Tierhaltern und dieZaun 2 Beurteilung von Rissen angeht. Den Verursacher Wolf gab es in 2019 bisher EIN Mal, ansonsten war der Wolf bestenfalls „nicht auszuschließen“. Es scheint dabei, als sei die plausible Feststellung von Todesursache und Verursacher grundsätzlich weniger wichtig als die Darstellung des Schutzgrades in der Liste. Ob die entsprechenden Halter tatsächlich entschädigt wurden, geht aus der Liste nicht hervor. Eine unabhängige Überprüfung ist (noch) nicht erfolgt.

Aber es wird noch etwas klar, wenn man die Liste (zum Download hier) aufmerksam liest: Wenn bei  10% der aufgeführten Risse von Weidetieren „Anbindehaltung“ vermerkt wird, haben offenbar auch nach 19 Jahren Wolf einige Tierhalter nicht verstanden, dass diese nicht tierschutzgerechte Haltung in Wolfsgebieten erst recht nichts verloren hat.

Der Kettenschöps ist für den Wolf nichts anderes als „Schaf to go“!

Hier sind Freunde, Nachbarn und Kollegen gefragt, die letzten Uneinsichtigen von dieser Art der Schafhaltung abzubringen. Das im eigenen Verständnis bestens funktionierende „Wolfsmanagement“ hat diese selbst gestellte Kernaufgabe bisher nicht erfüllt.

Es ein Mangel der Öffentlichkeitsarbeit im Wolfsmanagement, dass diese Nachricht noch nicht überall angekommen ist. Auch nach fast 20 Jahren Wolf in der Lausitz ist weiterhin eine faire und verlässliche Herdenschutzberatung auch der Klein- und Hobbyhalter dringend notwendig. Es ist eine vordringliche Aufgabe der neuen Fachstelle Wolf, sich hierzu im Gegensatz zu ihren Vorgängern effektiver und vor allem positiv in Szene zu setzen.

Will man auf dem Land noch einen letzten Rest Akzeptanz für den Wolf erhalten, muss das neue Personal als Partner der Tierhalter erkennbar werden. Sonst hätte man alles so lassen können wie es war.

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