Klare Ansage

Nachdem vor wenigen Tagen die Fachstelle Wolf mehr oder weniger neue Zahlen zum Wolfsvorkommen in Sachsen herausbrachte, wurden diese durch die Sächsische Zeitung blumig kommentiert  Das ist Sachsens neuer Wolfsatlas“. Es bedurfte eines kurzen Lesens zwischen den Zeilen, dass hier nicht zum ersten Mal nur die halbe Wahrheit aufgetischt wurde. Bei Abgleich der veröffentlichten Tabelle mit aktuellen Informationen bleibt festzustellen, dass der Zuwachs an Wolfsrudeln in Sachsen ungebremst weitergeht.

Weder die Veröffentlichung der Fachstelle noch der Zeitungsartikel verschwenden den geringsten Gedanken daran, welche ökologischen und ökonomischen Folgen ein Wolfsbestand dieser Dichte bereits heute auf Natur und Landleben hat. Das wiederum hat der Bautzener Landrat Michael Harig unter dem Titel „Probleme durch Wölfe werden ignoriert“ in einem sehr deutlichen Leserbrief an die Sächsische Zeitung getan, den wir hier wiedergeben:

Leserbrief Wolf

„Mehr Wolfsrudel in Ostsachsen“

„Das Wölfchen „Juli“ muss sich ein neues Plätzchen suchen.“ Ist das zumutbar? Ich wäre dafür die Bergbausanierung zu stoppen.

Wir feiern uns dafür, dass wir nun in Sachsen 5 Wolfsrudel mehr haben. Und das Schönste: Es ist laut Fachstelle Wolf kein“ Problemwolf“ dabei.

Nun können wir die Bewegung der Wölfe auch wieder beobachten. Möglich wurde das durch eine Besenderung. Um den Tieren kein Leid anzutun werden „Soft Catch- Traps“- Fallen zum Einsatz gebracht. Die Welt ist schön.

Etwas gestört wird dieses Bild freilich durch ältere Tierhalter, die zu faul und zu dumm sind einen sachgerechten Herdenschutz zu betreiben.  Aber auch das wird sich ja auch bald erledigen- biologisch- es sind ja die Alten.

Der genannte Artikel ist für die Menschen in den Wolfsgebieten an Zynismus nicht zu überbieten. Es wird lapidar festgestellt, dass sich die Nutztierrisse in nur einem Jahr um 20% (von 280 auf 342) vermehrt haben. Über die Qualen der elendig zu Grunde gehenden Kreaturen mit herausgerissenen Gedärm- und Kehlbissen natürlich kein Wort. In Zerna trieben Wölfe kürzlich Schafe durch die Garage eines Rohbaus,- in Panschwitz- Kuckau fraßen Wölfe am hellerlichten Tage innerorts ein Schaf.  Alles kein Problem,- an den Wölfen liegt das nicht. Die Bürgermeister in den Wolfsgebieten berichten über besorgte Eltern in ihren Sprechstunden. Diese bringen hervor, dass ihre Kinder bei Dunkelheit zur Schule oder zum Bus müssen. Sie hätten Angst. Auch das natürlich kein Problem- einfach nur ein krankhaftes „Rotkäppchen- Syndrom“   geht es nach den Fachleuten des Lupus- Institutes.  Das in Sachsen zuständige Ministerium verweist auf die neue Wolfsmanagementverordnung. In der Praxis ist diese in Konfliktfällen  nicht das Papier wert, auf welchem sie steht. Die Landräte könnten ja Entnahmen anordnen,- so die Verordnung. Die Beweislast wird aber durch das LfLuG – einer Behörde des Freistaates, festgestellt. Das ist so, als wenn in Berlin geblitzt wird,- und Bautzen für den Erlass des Bußgeldbescheides zuständig wäre.  Wie dann  Gerichte entscheiden ist unschwer zu erahnen.

Die Probleme werden sich lösen. In absehbarer Zeit werden wir keine Tierhalter- zumindest kleiner und mittlerer Bestände- mehr haben. Wir leisten uns eine philosophische Diskussion über Massentierhaltung- und entziehen der natürlichen die Grundlagen. Aber dann hat es „Juli“ einfacher. Und die Welt ist dann noch schöner.

Michael Harig

Landrat

Den Worten des Landrates ist nichts hinzuzufügen. Der Text ist in den Büros der Fachstelle und der Verantwortlichen für das Monitorings gerahmt aufzuhängen.

Der Abgleich der veröffentlichten Zahlen mit weiteren vorhandenen Informationen erfolgt kurzfristig an dieser Stelle.

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