Lobbyparty - Der Umweltausschuss produziert Ausschuss

Tagt man im Bundestag in Sachen Wolf, kann es schon einmal hoch hergehen um ein Thema, welches zwar gelegentlich für eine Schlagzeile gut ist, aber eigentlich irgendwo da draußen stattfindet, wo es nicht wirklich viele Wähler gibt und das angesichts eines Bundeshaushaltes 2018 von 337,5 Mrd. Euro mit ein paar eingeforderten Subventionen aus EU-Töpfen auch finanziell eine Marginalie ist.

So lässt es sich fein zweckfrei debattieren, um die eigene Klientel, sofern sie denn zuschaut, auch brav zu bedienen.

So geschehen zu Berlin am 18. April 2018 im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit des hohen Hauses. Unter Ladung von acht „Experten“, die sich teilweise die Gänsefüßchen zu diesem Titel redlich verdient hatten, aber selbstverständlich mehrheitlich der Pflicht genügten, der Klientel der einladenden Fraktion (nur diese dürfen das!) das Wort zu reden.

Der Tagesordnung, zugrunde liegende Anträge verschiedener Fraktionen der Opposition und die Liste der Experten gibt es HIER.

Spätestens bei den einführenden Statements der Experten musste dem geneigten Zuschauer klar werden, wie nahe Parlamentarismus und Lobbyismus zusammenliegen, wurden doch ungeniert Vorträge zur Sicherung der eigenen Pfründe oder zum Wohle der Auftraggeber vorgetragen. Wer einmal eingeladen, solche Chancen nicht verwertet, wird nicht wieder aufgestellt, so gab man sich keine Blöße.

Intellektuelle Entblößungen entstehen aber dann, wenn sich der Verband der Berufsschäfer angesichts anerkannter wirtschaftlicher und struktureller Nöte eines branchenfremden Pressesprecher einstellt, der weder optisch noch rhetorisch in der Lage ist, den erforderlichen Stallgeruch zu vermitteln. Deutlich unterstrichen mit einem sechsseitigen Eingangsstatement in klarer Diktion der NGO, mit der man im vergangenen Jahr ein vor allem in der eigenen Zunft nicht verständliches Bündnis schloss. Es ist bitter, wenn sich genau diese Teilgruppe der Weidetierhaltung von Leuten kaufen lässt, die seit Jahren jeglichen Versuch eines realistischen Umganges mit dem Wolf als Generalangriff auf Natur-und Artenschutz zu verdammen versuchen.

Die Not vieler Schäfer liegt seit Jahrzehnten in der Veränderung von Politik und Landwirtschaft. Dort, wo der Wolf hinkommt, bringt er das Fass zum überlaufen. Daran ändern auch die stereotypen Forderungen nach einem flächendeckenden Herdenschutz in Deutschland nichts - möglichst bitte, bevor der Wolf da ist. Dabei geht es um 2,5 Mio. Hektar Weideland, das entspricht ungefähr der Fläche von Mecklenburg-Vorpommern, fein aufgeteilt in Schlaggrößen mit einigen Tausend Kilometern Zaun. Ein finanziell wie arbeitstechnisch utopisches Vorhaben mit ungeahnten Folgen für den übrigen Naturschutz. Deutschland gibt zig Millionen für den Bau von Grünbrücken aus, um Lebensräume wieder zu vernetzen, dafür soll wegen des Wolfes die Landschaft komplett verdrahtet werden??

Das Frage- und Antwortspiel der Abgeordneten mit den von ihnen eingeladenen Experten brachte noch weitere Blüten zu Tage: So durfte der eingeladene Professor der Rechte dem Auditorium unwidersprochen erklären, dass für den günstigen Erhaltungszustand des Wolfes in Deutschland 1.000 adulte Tiere erforderlich seien. Eine Zahl, die seit Jahren widerlegt ist. Möge er bitte bei LCIE und IUCN nachlesen. So man denn die Wölfe in DE und Westpolen als eigene Subpopulation annehmen möchte, läge diese Zahl aufgrund der Verbindung zur osteuropäischen Population bei 250 adulten Tieren. Die haben wir bereits heute zwischen Weichsel und Rhein, was neuerdings gerne verschwiegen wird. So falsch wie neu ist auch die Abgrenzung des Bestandes an der deutschen Ostgrenze.

Wer vom Wolf lebt, wird nichts Böses über ihn sagen. Schlimmer noch, das lupozentrische Weltbild ist auch durch allgemein zugängliche Informationen und wissenschaftliche Fakten nicht zu erschüttern. Die Behauptung, dass es in anderen Ländern mit Wolfsbeständen eine funktionierende Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung ohne Bejagung gäbe und gerade der Herdenschutz auf der anderen Seite der Alpen so gut funktioniere, blieb leider unwidersprochen. Schutzjagden in Schweden und Finnland, 10.000 tote Schafe in 2017 in Frankreich und festgelegte Entnahmezahlen im Managementplan, alles unter Anhang IV, sprechen für sich. Ein wahlloses Schießen einzelner Wölfe wird sicher zur Vermeidung von Nutztierrissen nicht zielführend sein.  Die Wirksamkeit gezielter Eingriffe dort, wo Schäden vorliegen, ist wissenschaftlich belegt.

Werden Wolfsbesuche auch bei Tage in den Dörfern mit dem Fuchs an der Terrassentür oder dem Berliner Stadtschwein relativiert und die Ursache dafür in menschlichem Fehlverhalten welches abzustellen sei verortet, dann wird die Sache menschenfeindlich. Spätestens dann ist auch zu hinterfragen, ob Biologen, die ihren Lebensunterhalt mit dem Wolf verdienen, alleine die richtigen Ratgeber für den Umgang zwischen Mensch und Wolf sein können. Wer verleugnet, dass Wildtiere und insbesondere der Wolf als großer Beutegreifer keine Scheu vor dem haben können, was sie nicht fürchten müssen, hat das Objekt seiner Forschung nicht verstanden.

Die Ängste der Menschen, die auf dem Land mit dem Wolf leben müssen und sich fragen, wann und wo sie ihre Kinder im Freien spielen lassen sollen, wurden mit den üblichen Phrasen abgetan: Es sei doch seit 70 Jahren nichts passiert. Richtig, auch bei uns ist 200 Jahre nichts passiert, weil es keine Wölfe gab. Anderswo hat man dem Wolf durch Bejagung gezeigt, dass der Mensch für ihn eine Gefahr darstellt.

So ging man nach 2 ½ Stunden auseinander, war zufrieden, die eigene Klientel mit einem Auftritt bedient und die eigene Meinung bestätigt bekommen zu haben.

Was wird es denen bringen, die in den Wolfsgebieten leben, wirtschaften und ohne Anerkennung Natur und Landschaft erhalten? 

NICHTS!

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