Postfaktische Debatten ??

Die Häufung von Nutztierrissen durch Wölfe kommt in Deutschland im Spätherbst so sicher wie die kalte Jahreszeit. Ebenso sicher ist alljährlich festzustellen, dass die Anzahl der Tiere, die dabei dem Wolf zum Opfer fallen, ebenso wächst wie die Gebiete, die davon betroffen sind. Was dabei nicht wächst, ist die Qualität der Auseinandersetzung, ob und wie man denn dieses offenkundigen Problems Herr werden könnte.

Allenthalben wird von Problemwölfen, deren Regulierung, wolfsfreien Gebieten oder als letztes Mittel, dem Wolf im Jagdrecht geschrieben und gesprochen. Postwendend gefolgt vom Aufschrei der Interessengruppen, die sich den bedingungslosen Schutz des Wolfes auf die Fahnen geschrieben haben, oder gar ihr Spendenaufkommen über diese Art generieren.

Das ist bitteschön nicht zielführend. Es nützt weder den von den Rissen betroffenen Tierhaltern, noch der Akzeptanz des Wolfes an sich. Deren Vorhandensein, dort wo er vorkommt, soll hier nicht diskutiert werden - mangels Masse abgelehnt. Was dabei überhaupt nicht hilft, sind Landesväter, die unqualifiziert einerseits die Regulierung „von Problemwölfen“  oder wolfsfreie Gebiete fordern, und andererseits in Pressemitteilungen  auf Geschädigte einschlagen, die ihre Tiere nicht angemessen geschützt haben sollen. Damit wird ein Problem nicht gelöst, welches die davon betroffenen weder gewollt noch verschuldet haben.

Noch weniger zielführend sind in diesem Zusammenhang Beiträge wie eine vorliegende Pressemitteilung des WWF, in der es wörtlich heißt: „Zudem verweist der WWF auf eine Studie aus den USA wonach das Töten von Raubtieren  in fast der Hälfte der untersuchten Fälle zu einer Zunahme der Nutztierrisse geführt hat.“

Wer so etwas publiziert, sollte beim Lesen dieser Arbeit: „Predator control should not be a shot in the dark“ (Treves, krofel et al., 2016) wenigstens die dritte Seite erreicht haben, bevor er zu derartigen Fehlsch(l)üssen kommt. Abgesehen davon, dass die Verfasser in aller Deutlichkeit auf die geringe Menge an verwertbaren Quellen hinweisen, befindet sich hier eine Übersicht, nach der Arbeiten zum Erfolg von Maßnahmen gegen  Braunbär, Schwarzbär, Puma, Luchs, Kojote und Wolf ausgewertet wurden.

PEINLICH: Eine Zunahme von Schäden durch letale Maßnahme wurde dabei nur in Arbeiten bezüglich des Kojoten und des Pumas festgestellt. Die Qualität der zitierten Arbeit soll hier in keiner Weise kritisiert werden, aber sie für derart unqualifizierte Verallgemeinerungen zu missbrauchen, ist einfach ungehörig und entspricht kaum dem Selbstverständnis eines WWF als renommierte Umweltschutzorganisation.

Nur ist der WWF mit diesem wenig überzeugenden Standpunkt nicht alleine. Der NABU zitiert auf seinen Seiten eine weitere Studie aufs den USA: „Effects of Wolf Mortality on Livestock Depredations" (Robert B. Wielgus, Kaylie A. Peebles, 2014), diese zeige, dass die Übergriffe auf Nutztiere in einem Gebiet nach der Bejagung der Wölfe zunehmen.“

Diese Arbeit, die nach Veröffentlichung im Original über Presseveröffentlichungen und Übersetzung bereits eine merkwürdige Metamorphose  durchmachte, hier in der wolfszone gewürdigt, hat nun an ihrem Ursprung eine böse Abfuhr erhalten:Wolf Lethal Control and Livestock Depredations: Counter-Evidence from Respecified Models (Poudyal et al. 2016)

Die ursprünglich ermittelten Ergebnisse, aufgrund derer nicht nur der NABU sie gerne zitiert hat, haben einer kritischen Nachprüfung nicht standgehalten.

Was darf man daraus lernen?

Es reicht nicht                -           bei wissenschaftlichen Arbeiten nur die Überschrift zu lesen!

Es reicht auch nicht       -           nur das zu lesen, was andere über eine Arbeit schreiben!

Es ist bitter                     -            wenn es dann noch Personen oder Organisationen gibt, die mit

Aussagen aus falsch zitierten oder falsch interpretierten Quellen ihre kommerziellen Interessen nähren. Sie täuschen die Leser und Empfänger ihrer Verlautbarungen und diskreditieren diejenigen, die sie falsch zitieren.

Wie sagte schon ein gewisser Herr L. im vorigen Jahrtausend, weit östlich von uns, wo es immer Wölfe gab:

Vertrauen ist gut,           Kontrolle…

und

wie titelte Grillparzer 1838: „Weh dem der lügt!“ Das löste zwar damals einen Skandal aus.

Heute interessiert das keine S.. mehr. Denn morgen gibt’s 'ne neue S.., die wir für unsere Interessen durchs Dorf - nein durch die Presse treiben können.

Das haben weder betroffene Tierhalter noch der Wolf verdient!!

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