Was ist los auf Eiderstedt?

Vom Versagen eines Wolfsmanagements

Schleswig Holstein ist kein Wolfsland. Dort gibt es kein Wolfsrudel und keine territorialen Wölfe. Das ausgewiesene Wolfsgebiet des Landes beschränkt sich  auf den Kreis Herzogtum Lauenburg im äußersten Südosten des Landes. Es gibt auch eine „Richtlinie für die Gewährung von Zuwendungen für verschiedene Maßnahmen zur Sicherung des Bestandes zu- und durchwandernder Wölfe in Schleswig-Holstein“, die sich so kompliziert liest wie sie heißt.

Während es im Südosten seit fast zwei Jahren in Sachen Wolf recht ruhig ist, sorgten verschiedene Wanderwölfe im Land auf ihrem Weg nach Dänemark mit Weidetierrissen für Aufsehen und Ärger bei den betroffenen Tierhaltern. Wie viele es wirklich waren, blieb dabei im Dunkeln. Wer es als Jungwolf im heimatlichen Rudel gelernt hatte, dem war das ungeschützte Schaf to go als Wegzehrung willkommen. Ein junger Wolfsrüde aus Lübtheen erwarb sich so auf Eiderstedt ersten traurigen Ruhm. Herdenschutz anderswo geforderten Maßstabes ist dort weder vorhanden noch förderfähig. Wer die Landschaft dort kennt weiß auch, dass er dort in der Fläche nicht praktikabel ist.

Bei offiziell 5 Fällen in 2016 und vier Fällen in 2017 war das zwar ein Ärgernis, aber objektiv noch tolerabel.

Seit dem Juni 2018 hat sich diese Situation drastisch verändert. Aus einem dänischen Rudel bei Ulfborg hatten sich vier Jungwölfe auf den Weg nach Süden gemacht, auf der Suche nach einem eigenen Territorium und einem Rudelpartner. Ihr erster Halt war offenbar Eiderstedt, wo es seit Juni über 50 Weidetierrisse mit fast 80 betroffenen Schafen und Lämmern gab, bei denen eben diese Wölfe als Verursacher nicht ausgeschlossen werden können. Die Frequenz der Risse zeigt, dass Wolf hier von Schaf lebt, wovon dort auch sonst? Rehe oder anderes Schalenwild sucht man dort vergebens.

Neben Eiderstedt wird inzwischen auch der Nordraum Hamburgs von einem Teil dieser Tiere heimgesucht. Das gesamte Ausmaß und die Schwerpunkte der Schäden und Ereignisse werden auf dieser Karte sichtbar:

 

Dabei wird keine besondere Scheu an den Tag gelegt. Teilweise wurden Wölfe durch Feriengäste von Koppeln vertrieben, bei Westerhever begrüßte einer die Grundschulklasse auf dem Wandertag. Sie nahmen das Bundesamt für Naturschutz beim Wort, welches ihnen gerade das Fehlen einer natürlichen Scheu bescheinigt hatte.

Wirksame Maßnahmen zum Herdenschutz gibt es auf Eiderstedt wie in den meisten Teilen des Landes nicht, sie wären dort nicht förderfähig und die Landschaft gibt es auch nicht her. Leihmaterial gibt es für betroffene Betriebe für drei Wochen. Derweil geht Isegrim zum Nachbarn, gelernt hat er es ohnehin bereits daheim!

An dieser Stelle wäre das gefragt, was es leider nur auf dem Papier gibt: Ein Wolfsmanagement, welches seinen Namen verdient und in der Lage ist einzuschätzen, wo die Grenze zwischen dem Artenschutz und dem Schutz vor marodierenden Raubtieren liegt. Wer in diesem Bereich Verantwortung trägt und binnen eines Vierteljahres auf einer Fläche von 250 km² diese Anzahl an Weidetierrissen toleriert, ist dringend nach seinen Interessen und seinem Hintergrund zu fragen.

Ebenfalls ist zu hinterfragen, wie sich die Verantwortlichen den Fortgang der Ereignisse vorstellen. Diese Wölfe werden ihren Speisezettel nicht mehr ändern. Sollten sie auch noch in diesem Umfeld Rudel gründen und Welpen aufziehen, werden diese durch die gleiche Schule wie in Ulfborg gehen:

Hauptfach Schaf!

Sie werden ihre besonderen Fähigkeiten weiter ins Land tragen, als Botschafter des Schleswig-Holsteinischen Wolfsmanagements, aber nicht als Verbreiter der Akzeptanz dieser Art. Was ist hier gewollt?

Der Wolf in jedem Winkel dieses Landes?

NEIN!

Deutschland hat eine Verpflichtung zum Artenschutz, auch für den Wolf, aber bitte nicht um den Preis, dass dabei die Weidetiere und die Existenz ihrer Halter aufs Spiel gesetzt werden. Sie erhalten die Landschaft mit ihren wertvollen Lebensräumen.  Die Schafe sind essentieller Beitrag  zum Erhalt und zur Sicherheit der Deiche. Der Wolf wiederum leistet absolut keinen Beitrag zur Biodiversität des Lebensraumes, nicht nur auf Eiderstedt, sondern an der gesamten Westküste Schleswig-Holsteins. Er richtet dort unvermeidlich Schaden an, ohne in dieser Region für den Erhaltungszustand seiner Art von Bedeutung zu sein.

An dieser Stelle sind die im Land verantwortlichen Politiker zu fragen, ob sie denn wissen, in welche Hände sie das, was sich heute dort „Wolfsmanagement“ nennt, gegeben haben.

Alles was beide damit bisher erreicht haben, ist die rapide schwindende Akzeptanz für die Art dort, wo sie wirklich vorkommt.

So erweist man dem Wolf einen Bärendienst.

 

 

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