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Warum ein grüner Gastautor nicht zum Erklärbär taugt!

Der Gastbeitrag des MdL Wolfgang Aldag (GRÜNE) in der Onlineausgabe Magdeburg des FOCUS darf ob seiner krassen inhaltlichen Fehler und gedankenlosen Aussagen nur als schlichte Provokation verstanden werden. Als Provokation derer, die auf dem Land leben, dort Tiere halten und in aller Selbstverständlichkeit damit zum Erhalt unserer Kulturlandschaft beitragen.

Die „frohe Botschaft“ mag in Städten und einschlägig befassten Verbänden angekommen sein. Nur kehrt der Wolf zwar geografisch gesehen in eine Region zurück, in der es ihn bis in den Ausgang des 18. Jh. gegeben hat, wo er zu recht von einer bettelarmen Bevölkerung zum Schutze ihres Viehbestandes verfolgt wurde bis hin zur zeitweiligen Ausrottung. Die intensiv genutzte Kulturlandschaft von heute gab es damals nicht und der Wolf ist in Deutschland auch nie fester Bestandteil einer solchen gewesen.

An dieser Stelle der Bibel die Schuld für ein historisch berechtigt schlechtes Ansehen des Wolfes insbesondere in der Landbevölkerung geben zu wollen, verkennt die Geschichte und die Lebensumstände unserer Vorfahren. Einer heutigen Gesellschaft, die bereits angesichts eines nicht angeleinten Hundes Ängste mit behördlichen Folgen entwickelt, muss man auch die Angst vor dem Wolf als seinem Ahnen zugestehen.

Der, zurzeit noch nicht legitime, Ruf nach „mehr“ Abschüssen wird weder Ängste schüren noch vermindern. Eine angemessene und bürokratiearme Entschädigung von Tierhaltern gibt es weder in Sachsen-Anhalt noch in anderen Bundesländern. Sachsen Anhalt ist aber noch nicht einmal bereit, die Nutztierschäden und deren Entwicklung seit Rückkehr des Wolfes der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Da sollte ein Abgeordneter mit dem Lob für die Ministerin aus der eigenen Partei etwas zurückhaltender sein. Spuren des präsentierten Wolfsmonitorings sucht man z.B. im Netz vergeblich.

Wenn Herr Aldag alle Wölfe ohne Scheu schießen möchte, so hat er viel zu tun und er könnte damit diese Art, die nach allgemeiner Erkenntnis in Europa schon lange nicht mehr gefährdet ist,  durchaus wieder in Gefahr bringen. Die Wölfe in diesem Land haben von sich aus keine Scheu vor dem Menschen, weil sie bereits seit mehreren Generationen von ihm nichts mehr zu befürchten haben. Begegnungen mit absoluter Gleichgültigkeit und gelegentlicher Neugierde nehmen zu. Wer wenig oder keine Erfahrung mit diesen Tieren hat, dem ist die Angst zuzugestehen.

Wer oder was und wie Teil unserer Kultur ist, damit haben sich schon vor Herrn Aldag bedeutendere Politiker ins Fettnäpfchen begeben. Der gegenseitige Respekt steht dem Wolf ebenso zu wie jedem anderen Wildtier. Der gegenseitige Nutzen von Mensch und Wolf erschließt sich denen, die mit ihm leben müssen jedenfalls nicht.

Den Online-Artikel des FOCUS vom 14.02.2017 gibt es hier: LINK