31.05.13 Berthelsdorf/Neustadt/Sa.: Der sächsische Landwirtschaftsminister Kupfer besucht - einer Einladung der Schäfer aus der MDR-Sendung "Fakt ist...." vom Dez.'12 folgend, die Schäferei Horn. Der Minister hatte dafür einen vergleichsweise üppig abgesteckten Zeitrahmen von über 1,5h vorgesehen, was zunächst einmal zeigt, daß unser Anliegen in der Politik angekommen ist und dort ernstgenommen wird. Zahlreiche Vertreter von Tages- und Fachpresse verfolgten gespannt den Ablauf. Es regnete teilweise heftig, so daß die Begrüßung zunächst im Trockenen im Scheunengebäude stattfand. In einer kurzen Ansprache machte Minister Kupfer klar, daß es eine "Nullösung Wolf" mit ihm - und auch unter den in Sachsen oder der BRD herrschenden Mehrheitsverhältnissen in der Politik nicht geben werde bzw. könne. Der Wolf sei nun einmal in die Natur zurückgekehrt und der Mensch müsse nun sehen, wie er mit ihm zurechtkäme.

Minister Kupfer 1

Die SZ vom 01.06.13 folgert richtig (€-Bezahlschranke):
Kupfer, gleichermaßen Umwelt-, wie auch Landwirtschaftsminister steht buchstäblich zwischen den Fronten. Die heikle Position kommt in der Sprachregelung seines Hauses zum Ausdruck. Dort will man ein „möglichst konfliktfreies Miteinander von Nutztierhaltung und Wolf“. Sachsen ist europäischen Artenschutzrichtlinien verpflichtet, die Wölfe unter strengen Schutz stellen.

Anschließend baute Minister Kupfer gemeinsam mit MdL Michel und unter Schäfermeister Horns Anleitung eine Strecke Herdenschutzzaun auf und stellten fest, daß dazu nicht unerheblich Zeit, körperlicher Einsatz und Augenmaß erforderlich sind. Eine Schönwetteraktion war das beileibe nicht, denn es herrschte Regen und tw. starker Wind.


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v.r.n.l.: Minister Kupfer, Schäfermeister Horn, MdL Michel

Nachdem dies vollbracht war, stellte Minister Kupfer eine geplante Hilfsaktion vor, die den Schäfern erst mal Entlastung bringen soll: Künftig können junge Leute in sächsischen Schäfereien ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) absolvieren. (SZ vom 31.05.13)


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Nicht unbedingt als "rührende Geste" für die Presse gedacht, sondern stellvertretend für alle sächsischen Nutztiere aufzufassen, übernahm Minister Kupfer anschließend die "Patenschaft" für das jüngste, erst vor zwei Tagen geborene Lamm der Familie Horn.

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Nebenbei stellte Schäfermeister Horn eine unorthodoxe, aber wirkungsvolle Idee zur Umsetzung aktiven Herdenschutzes vor: Das Grautier schlägt lautstark Alarm, sobald sich Raubzeug nähert.

Herdenschutzesel

Es blieb noch genügend Zeit, um sich etwas eingehender mit den technischen Problemen eines wirksamen Herdenschutzes zu befassen: Vor allem die derzeit verfügbaren Netzzäune lassen in Hinsicht auf Handhabbarkeit und Dauerhaftigkeit noch Wünsche offen. Material, welches für 5 Jahre Nutzungsdauer konzipiert war, ist schon nach dem ersten überstandenen Winter defekt. Die derzeit propagierten Maßnahmen für den Herdenschutz - ob Zäune oder Herdenschutzhunde - sind also keinesfalls bereits "das Gelbe vom Ei".
Herr Rohrmann aus Pirna, Vorsitzender des Sächsischen Schaf- und Ziegenzuchtverband e.V. stellte zwei verbesserte, in der Erprobung befindliche Zaunmodelle vor, die allerdings ebenfalls noch Kritikpunkte in sich tragen. Die weitere Optimierung wird also noch einige Zeit dauern.


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So positiv dieser Tag auch zu bewerten ist: Die vorgestellten Schritte und Maßnahmen behandeln lediglich die Symptome der "Erkrankung" mit dem Wolf, aber gehen nicht an die Wurzel. Solange kein grundlegendes Umdenken in Politik und Tierschutz erfolgt, der Wolf "entzaubert" wird, tickt diese "Zeitbombe" weiter.

Sicher können die FÖJ-ler in Sachsen dazu beitragen, (zumindest bis zu den bevorstehenden Wahlen) erst mal als "Trostpflaster" (welches - als freiwillige Leistung - bei fehlendem "Wohlverhalten" der damit bedachten Betriebe auch jederzeit wieder entzogen werden kann) zu fungieren. Die kontinuierliche Zunahme der Wolfspopulation und die Abwanderung erwachsen werdender Jungwölfe in andere Reviere und Bundesländer wird diese Maßnahme aber bald konterkarieren und offenbaren, daß hier zu kurz gegriffen wurde. Dann werden Tierhalter in anderen Regionen - vielleicht bald auch in Norddeutschland? - auf die Barrikaden gehen. Die Spirale dreht sich indessen 360° und wir finden uns bald eine Windung weiter oben wieder - mehr nicht; meint: der Trockenmaurer, 01.06.13