„MT6 wurde letal entnommen“

„Wolf wurde erschossen!“

„Kurti wurde ermordet!“

Je nach Zuständigkeit, politischem Blickwinkel, selbst gewählter Betroffenheit oder anderen weit emotionaleren Beweggründen, war eine Flut von meist mehr, aber auch weniger engagierten Äußerungen zum Tod des offiziell ersten deutschen „Problemwolfes“ dem Netz zu entnehmen.

Was ist geschehen? Nach überlanger Diskussion und Zögerlichkeit in einer nach allen deutschen Managementplänen (Anmerkung: Über den Sinn der Bezeichnung dieser Versuche einer Handlungsvorschrift für den Umgang mit einer Tierart, welche sich als solche nicht „managen“ lässt, wäre an anderer Stelle trefflich zu streiten.) eindeutigen Situation haben sich die in Niedersachsen politisch Verantwortlichen entgegen eigener Überzeugung dazu durchgerungen, den inzwischen vielfach in seinem Verhalten auffälligen Wolf „MT6 oder auch Kurti“, um diesen hässlichen Euphemismus zu benutzen, “ letal zu entnehmen“.

Dank gilt dabei den angefragten Tiergehegen, die eine Aufnahme des wild aufgewachsenen Wolfes abgelehnt haben. Dies wäre schlicht Tierquälerei gewesen. Die logische Konsequenz war, dass der Wolf nach offizieller Angabe von einem Scharfschützen der Polizei getötet wurde. Gut, dass in diesem Falle der angebrachte Sender offenbar doch noch funktioniert hat. Gut ebenso, dass der Vorgang ohne endlose Fehlversuche mit medialer Begleitung, wie weiland bei Bär Bruno anno 2006, nach erfolgter Entscheidung professionell abgeschlossen wurde.

Besonderer Undank gilt denen, welche über die nach langem Zögern der Verantwortlichen getroffene Entscheidung, sich am Ende doch an den Text ihres nicht immer einfachen Managementplanes zu erinnern, in ihren Foren von Mord, Hysterie und Rache schreiben. Was dort in einigen Foren gepostet wird, darf durchaus als justiziabel bezeichnet werden.

Interessant ist dabei, dass unflätiges Freudengeschrei dort unterblieb, wo emotional geprägte Wolfsfreunde eben ihre Zielgruppe der „Wolfshasser“ verorten.

Am Ende ist es, je nach emotionalem Blickwinkel, ein sehr unterschiedlich aufgenommener Vorgang, der sich angesichts der zunehmenden Anzahl der Wölfe in Deutschland in immer kürzeren Abständen wiederholen wird. Weder unsere Gesellschaft noch der Wolf werden sich einander anpassen. Es geht am Ende um das Verständnis, dass nicht jede hier historisch vorgekommene Art heute noch in jedem Winkel einer maximal genutzten Kulturlandschaft frei leben kann.

Dafür ist Einsicht erforderlich. Forderungen an Dritte in Gestalt einer betroffenen Landbevölkerung und dies ohne eigene Verantwortlichkeit, wie von einigen Verbänden nachhaltig propagiert, sind da nicht hilfreich.

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