Nutztierschäden in Deutschland,

der Bericht der DBBW belegt eine dramatische Entwicklung!

Vor wenigen Wochen erschien der Bericht „Wolfsverursachte Schäden, Präventions- und Ausgleichszahlungen in Deutschland 2016“ der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW). Darin war zum ersten Mal eine übersichtliche Tabelle zu finden, in welchen Bundesländern 2016 wie viele Weidetiere welcher Arten in dem Jahr gerissen wurden. Umrahmt von trockenem Amtsdeutsch ist dort abzulesen, dass mit der Ausbreitung der Wölfe in DE seit mehreren Jahren die Nutztierschäden mindestens doppelt so schnell anwachsen wie die Wolfspopulation selbst. Waren es bei den Wölfen im Durchschnitt 30-35 % Zuwachs pro Jahr, sind es bei den Tierverlusten seit 2013 zwischen +50%  und + 90% pro Jahr.

Mit den Schwerpunkten Sachsen, Niedersachsen und Brandenburg waren es bei 285 Übergriffen 1079 Tiere, in der Masse Schafe (855), aber inzwischen auch zunehmend Kälber und Rinder.

Glaubt man dabei in der öffentlichen Auseinandersetzung den offiziellen Stellungnahmen oder den Forderungen der einschlägigen NGO’s, liegt die Schuld für diese Entwicklung alleine an den Tierhaltern, die ihre Weiden und Koppeln nicht wolfssicher einzäunen. Dass dies mit mehr Geld und Arbeit verbunden ist, als eine Vielzahl der Betroffenen zu leisten vermag, wird dabei gerne verschwiegen. Auch dass es bisher nur in wenigen Bundesländern funktionierende Verfahren zur Förderung des Herdenschutzes gibt, wird so wenig zur Kenntnis genommen wie die Tatsache, dass eine nicht geringe Zahl von Wolfsrudeln inzwischen fast jeden Zaun überwindet, um an die Beute zu kommen. Diese Erkenntnis ist nicht neu und wurde bereits vor Jahren in Frankreich dokumentiert. Ein der Ausbreitung des Wolfes vorauseilender flächendeckender Herdenschutz würde immense Kosten verursachen und mit einer völligen Verdrahtung des Offenlandes dem Naturschutz einen Bärendienst erweisen.

Eine Auswertung der Schäden in Bezug auf Schwerpunkte und Entwicklung wird aus Desinteresse oder Vorsicht vermieden, dabei hätten die Verantwortlichen in den Länden dafür jegliches Material zur Verfügung. In Sachsen, Niedersachsen und Brandenburg werden Risslisten unterschiedlicher Qualität und Aktualität geführt, so dass selbst Außenstehende nachvollziehen können, in welchen Wolfsterritorien es „brennt“. Rudelnamen wie Cuxhaven, Dobbrikow oder Rosenthal sind regelmäßig in Pressemeldungen zu finden.

Nimmt man die Daten von Rissen und Territorien zusammen, so lässt sich ein überwiegender Teil (75%) der erfassten Risse geografisch bestimmten Rudeln oder Tieren zuordnen. Der Purist mag jetzt einwenden, es fehle der genetische Nachweis des Täters, doch spricht alleine die hohe Zahl der Übergriffe in diesen Territorien dagegen, dass sie von „fremden“ Wanderwölfen verursacht wurden. Laufkundschaft in festen Territorien dürfte eher selten sein.

Aus den seit 2017 für die Karte der wolfszone.de gesammelten Daten der letzten beiden Jahre lassen sich dazu zwei wesentliche Erkenntnisse gewinnen:

1.       Die positive Seite, dass von den dort kartierten 120 Territorien und Suchräumen des offiziellen Monitorings 40 in den zwei Jahren nicht mit Rissen in Erscheinung getreten sind.

2.       Die negative Seite, dass sich 10 Rudel so auf Nutztiere spezialisiert haben, dass ihnen die Hälfte aller Schäden zugeordnet werden kann.

An der Spitze liegen bei den betroffenen Tieren das Wolfspaar in Wendisch-Evern bei Lüneburg mit 138 Tieren bei 42 Übergriffen und das Rudel Cuxhaven mit 124 Tieren bei 55 Übergriffen, davon 37 Rindern oder Kälber. Im Territorium Cuxhaven/Wingst besteht die Hoffnung, dass nach Abwanderung der 2016er Jungwölfe und einer möglichen Auflösung des Rudels dort Ruhe einkehren könnte. Die Anzahl der Risse hat dort deutlich abgenommen.

Das Beuteverhalten und die Vorliebe für Schaf, Rind oder Kalb bringen Wölfe zumeist aus dem elterlichen Rudel mit. Es ist keine ansteckende Krankheit, die mit dem Territorium verknüpft ist. Dabei genügt ein Rudelpartner, der diese Nahrungsgewohnheit hat. Bei der Goldenstedter Wölfin hat der zugewanderte Rüde brav gelernt, wie man über Zäune ins Buffet springt. Im Territorium Ebstorf in der Lüneburger Heide hat der dorthin abgewanderte Jungwolf aus Cuxhaven schnell gezeigt, was er daheim gelernt hat.

Unter diesem Aspekt bekäme die vielfach gestellte Forderung nach einem aktiven Wolfsmanagement eine weit größere Bedeutung, wenn denn die Koexistenz von Mensch, Weidetierhaltung und Wolf wirklich gewollt wäre. Das Geschehen der letzten Jahre beweist, dass eine weitere Inflation des Herdenschutzes und der Zaunhöhen nicht zielführend ist. Nach dem mehrfachen Überwinden von 140 cm hohen Zäunen bedarf es keiner weiteren Feldversuche, die sich bestenfalls als neue Dressurstufen für das hungrige Rudel erweisen.

Länder mit Wolfserfahrung leben es uns vor, dass man mit gezielten Entnahmen ganzer Rudel  Schäden zwar nicht verhindern, aber deutlich eingrenzen kann. Dieser Auffassung sind auch namhafte Wissenschaftler (Eklund et al.), welche sich mit der Thematik befasst haben.

Wenn zehn Wolfsvorkommen in Deutschland die Hälfte der Weidetierschäden in den letzten beiden Jahren verursacht haben, dann wäre es jetzt das Zeichen eines verantwortungsvollen Wolfsmanagements, diese Rudel oder Paare konsequent zu entnehmen.

Das ist nichts anderes als die Umsetzung des geltenden Rechts der FFH-Richtlinie, welche nicht als Käseglocke für eine einzelne Art verabschiedet wurde, sondern als europäisches Gesetz zum Schutz aller Arten und Biotope. Dafür bedarf es politischer Entscheidungsträger mit Rückgrat, die eigene Entscheidungen nicht beim ersten Gegenwind zurücknehmen oder sogar aus Angst vor der eigenen Klientel den Artenschutz über Bord werfen. Rosenthal in Sachsen und Ohrdruf in Thüringen sind dafür unrühmliche Beispiele.

Beides geschah und geschieht zum Schaden von Weidetierhaltung, Naturschutz und WOLF!

  

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