Schießen oder schützen?

Oder sollte es besser heißen: „Schießen um zu schützen?“

Unter der ersten Frage wurden nicht zum ersten Mal in der Sächsischen Zeitung vom 24.04.17 die Positionen des  Kontaktbüros „Wölfe in Sachsen“ und des Bautzener Landrates Michael Harig dargestellt. Sie könnten unterschiedlicher kaum sein. Doch sind sie zielführend?

Wenn der Landrat nicht zum ersten Mal in aller Deutlichkeit fordert, dass Wölfe entnommen werden, die sich nicht nur in die Dörfer begeben, sondern dort auch noch gezielt nach Nahrung suchen, dann spielt es keine Rolle mehr, ob und wie die in diesem Fall getöteten Schafe geschützt waren. Er sieht sich in der Verantwortung für die Bürger seines Landkreises, deren Interessen und deren Lebensgefühl.

Wenn das Wolfsbüro das gleiche Verhalten als normal erachtet und daraus keine Gefahr für die Anwohner herleiten möchte, ist Letzteres dem Grunde nach sicher richtig. Normal ist dieses Verhalten aus der Sicht der Anwohner, um die es hier bitte eher zu gehen hat als um die Wölfe, definitiv nicht. Die Hälfte unserer Gesellschaft hat Angst vor Hunden. Dann ist dem Bürger auch die Angst vor dessen Ahnherrn zuzugestehen.

Wenn der Landrat die Lockerung des Schutzstatus des Wolfes fordert, wird er damit vorerst weder in Berlin noch in Brüssel Gehör finden. Ungeachtet rapider steigender Bestände und eines für Europa insgesamt (nicht für Deutschland) seit 20 Jahren bestehenden Status „nicht gefährdet“ nach der Roten Liste der IUCN will man daran nicht rütteln.

Wenn das Wolfsbüro aus ökologischer und biologischer Sicht keine Notwendigkeit sieht, den Wolf zu bejagen, werden dabei zwei Sichtweisen völlig ausgeblendet:  Die Gesellschaftliche und die Ökonomische! In der Lausitz leben Menschen und sie möchten auch von etwas leben, dazu zählen auch ihre Nutztiere. Die Bejagung war auch gar nicht gefordert. Es ging um die Entnahme einzelner Tiere, deren Verhalten und Nahrungsgewohnheiten für die davon betroffenen Bürger nicht tolerabel ist. Das ist nach europäischem und deutschem Recht erlaubt und so vorgesehen, sofern dadurch der Erhaltungszustand einer geschützten Art nicht beeinträchtigt wird. Auf die Mär der Selbstregulierung des Wolfes soll hier wegen Geistlosigkeit nicht eingegangen werden. Die Aktien des Wolfes steigen weiterhin um 36 % pro Jahr.

Wenn der Landrat die Kulturlandschaft der Oberlausitz durch die Aufgabe von Weidetierhaltung in Gefahr sieht, vertritt er damit die Interessen seiner Bürger, die mit ihrer Weidetierhaltung die Landschaft pflegen und erhalten, an der wir uns alle freuen dürfen. Jede aufgegebene Weidefläche ist ein Verlust für die Natur.

Wenn das Wolfsbüro den Wolf als „natürlichen Teil unseres Ökosystems“ bezeichnet,  so ist darauf hinzuweisen, dass der Wolf zwar geografisch „zurückkehrt“, aber sich in einer Kulturlandschaft wiederfindet, die so zum Zeitpunkt seiner Verdrängung nicht bestanden hat. Es ist ebenfalls darauf hinzuweisen, dass seine hohe Anpassungsfähigkeit zur größten Gefahr für ihn selbst wird. Er habitutiert sich in der dicht besiedelten Landschaft selbst und besiedelt Lebensräume, die man noch vor wenigen Jahren als gänzlich ungeeignet angesehen hat - verbunden mit den entsprechenden Konflikten.

Wenn es um die Nutztierhaltung geht, kann man beide Parteien gemeinsam auf dem Holzweg wiederfinden. Weder noch mehr und noch höhere Zäune, deren Förderung wie Handhabung weder finanziell noch arbeitsmäßig leistbar sind, noch die bei weitem nicht überall einsetzbaren Herdenschutzhunde, deren Einsatz tierschutzrechtlich mindestens bedenklich ist, können hier langfristig eine Lösung sein. Alle Länder, die den Umgang mit dem Wolf nicht verlernt haben, wissen sehr genau, dass ein rein passiver Herdenschutz nicht funktionieren kann. Einige Länder, wie z.B. Frankreich, lernen es gerade neu. Zur Lösung des Konflikts zwischen Weidetierhaltung und Raubtieren gehört auch die Entnahme der Räuber, die sich auf das Überwinden des Herdenschutzes und Nutztiere als Nahrungsquelle spezialisieren.

Sicher gäbe es weniger Konflikte, wenn es weniger Wölfe gäbe. Nur sind die Wölfe jetzt mal da und alle Beteiligten haben gemeinsam mit den Betroffenen ein Problem zu lösen. Das wird nicht gelingen,  wenn regelmäßig den Bewohnern der Wolfsgebiete erklärt wird, sie müssten

LERNEN MIT DEM WOLF ZU LEBEN!

Wenn wir als Menschen, und an dieser Stelle wäre gerade das Wolfsbüro gefordert, endlich begreifen würden, worum es eigentlich geht:

DER WOLF MUSS LERNEN MIT UNS ZU LEBEN!

Schließlich heißt es ja auch Wolfsmanagement und nicht Menschenmanagement.

Dann wären wir auf einem besseren Weg. Auch im Wolfsbüro wurde richtig erkannt, dass Nutztiere nun einmal zum Nahrungsspektrum des Wolfes gehören. In wildarmen Lebensräumen lebt er fast ausschließlich von ihnen. Das ist ihm nicht damit abzugewöhnen, dass man die Käfighaltung auf der Weide einführt, wohl aber damit, dass man ihm zeigt, dass dieses Nahrungsangebot zwingend mit Schmerz und Lebensgefahr verbunden ist.

Das ist erlaubt! Das ist so vorgesehen! Man muss es nur wollen!

Wer es nicht will, trägt aktiv zum Ansehensverlust von Natur- und Artenschutz bei.

Hinweis für die Verantwortlichen: Entsprechende gesetzliche Regelungen und Empfehlungen mit dem Thema vertrauter Wissenschaftler sind hier nachzulesen:

FFH-RL 92-43 Art. 16 (1)

BNatschG. § 45 (7)

Leitlinien der LCIE Seiten 71 ff.

 

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