Wirres Wolfsmanagement - Teil 1

Der Wolf wächst blüht und gedeiht in Deutschland. Er vermehrt sich genauso, wie es jeder erwarten durfte, der sich mit entsprechenden Studien befasst hat, in der Wolfsbestände unter annähernd vergleichbaren Bedingungen untersucht wurden. Unbejagte oder gar geschützte Wölfe vermehren sich regelmäßig um ca. ein Drittel pro Jahr, solange ihnen ausreichend Lebensraum und Nahrung zur Verfügung stehen. So ein Schlaraffenland wie hier hat er dabei noch nirgendwo vorgefunden. Wild und Weidetiere im Überfluss und ein Schutzstatus, der fast religiöse Formen annimmt. Der wurde dem Wolf zu einer Zeit zuteil, als niemand damit rechnen konnte, dass sich diese Art wieder bis nach Deutschland ausbreiten könnte.

Seitdem bemühen sich offizielle Stellen und einschlägig ausgerichtete Vereine auf Bundes- und Landesebene, dem Wolf etwas zu verschaffen, was er historisch noch nie dort hatte, wo er tatsächlich vorkam: AKZEPTANZ! Mit dem weiteren Vordringen dieser Art ist diese deutlich auf dem Rückzug und flüchtet sich in die oberen Stockwerke der urbanen Milieus. Dabei hatte man sich über Jahre unsägliche Mühe gegeben, um unter Beteiligung aller verfügbaren „Experten“ und einschlägig befasster Verbände und Vereine die Bevölkerung vom Guten im Wolf zu überzeugen.

Es wurden Wolfsmanagementpläne entwickelt und voneinander abgeschrieben, deren Inhalte und Ziele nur als Verhöhnung des Titels gesehen werden können. Es gab weder klare Strukturen noch Ziele, was nach deren Erreichen zu tun sei. Einzig Freunde grafisch aufgehübschter Handlungsschemata konnten daran ihre Freude haben, ohne sie verstehen zu müssen. Dass diese nicht funktionieren, dürfen wir mit zunehmender Häufigkeit erleben.

Solange der Wolf ein ostdeutsches Randthema war, er sich in weniger besiedelten Gebieten mit geringer Weidetierdichte ausbreitete, wurden die zweifelsfrei von Beginn an auftretenden Probleme verdrängt und bestenfalls als Fehler der Betroffenen abgetan. Inzwischen hat der Wolf in Deutschland regional Bestandsdichten erreicht, die nirgendwo sonst nachgewiesen wurden. Er hat jetzt  Gebiete erreicht, in denen er aufgrund örtlicher Gegebenheiten nicht zu tolerieren ist. Jetzt erregt es auch die Aufmerksamkeit von Politikern, die je nach erreichtem Pensionsstatus und angenommener Wählerklientel sehr unterschiedlich auf den Unwillen Betroffener und das Problem an sich reagieren.

Entsprechend ist die Bandbreite der Reaktionen. Sie reicht von stillem Aussitzen bis zu vermeintlichen Brandbriefen an die falsche Adresse, die mit Brüssel so schön weit weg ist. Beginnen wir dort, wo das mit dem Wolf in DE den Anfang nahm - in Sachsen:

Der Freistaat verfügt inzwischen über den zweiten (abgelaufenen) Managementplan für den Wolf und versucht sich an einer Wolfsverordnung, die in ihrer Entwurfsfassung dank unklarer Verantwortlichkeiten bestenfalls Chaos verheißt. Das bestehende „Management“ dilettiert ungeachtet gegenteiliger Absichtserklärungen der Landesregierung weiter. Es hat auch nach öffentlichen Aussagen des Landesvaters seine Unfähigkeit nachgewiesen. Eine im Oktober 2017 erlassene Abschussverfügung für das sog. Rosenthaler Rudel hatte eine Halbwertzeit von wenigen Tagen, bis man nach dem Einspruch eines „Naturschutzverbandes“ gehorsam einknickte und seitdem auf eine Entscheidung des Dresdener Verwaltungsgerichtes wartet. Was inzwischen mit den Lausitzer Schäfern und ihren Tieren passiert -  scheißegal! Sachsen sitzt es aus!

Was machen die Anderen? Der Wolf hat inzwischen die Küste erreicht. Einige Einzeltiere und ein ganzes Rudel marodieren in den Weidetiergebieten Niedersachsens und Schleswig-Holsteins. Zwei zuständige Minister zeigen Entschlossenheit, und dies auch noch gegen den eigenen Apparat und die eigene Klientel. Nach hunderten gerissener Weidetiere binnen eines Jahres wurde in beiden Bundesländern je EIN Wolf zum Abschuss freigegeben, wohlfeil für die Galerie weil die „Entnahme“ dieser beiden Tiere noch nicht einmal am Problem kratzen wird. Ein Problem, welches sich zwangsläufig stellt, wenn man die dauernde Anwesenheit von Wölfen in ausgeprägten Weidetiergebieten zulässt, ohne ihnen deutlich zu zeigen, dass die Nähe des Menschen und seiner Weidetiere tödlich sein kann.

Das nennt man aktives Wolfsmanagement, liebe Herren Minister.

Das ist kein leichtes Geschäft, wenn man es mit Gesetzen zu tun hat wie dem Bundesnaturschutzgesetz, dessen Regelungen zu Ausnahmen vom Schutz streng geschützter Arten den Inhalten der FFH-Richtlinie Hohn sprechen. Da macht es auch keinen Sinn, wenn man einen Brandbrief nach Brüssel schickt, dort um Ausnahmen nachsucht, die das europäische Recht seit über 25 Jahren vorsieht. Dort braucht man seinen Besuch nicht anzumelden. Man weiß bei der Kommission längst, dass die deutschen Wolfsprobleme hausgemacht sind.

Nein, Berlin ist deutlich näher! Dort gibt es ein Ministerium, dessen Ressortchefin sich zu Weiberfastnacht im Wolfskostüm mit einem Schild „Bitte nicht erschiessen“ entblödet. Gezeigt werden muss sowas hier nicht! Über die Verbandshierarchie in diesem Hause ist genug geschrieben. Entscheidend ist, dass genau dort die Fehler gemacht wurden und konserviert werden, die uns seit Jahren daran hindern in Deutschland ein Wolfsmanagement aufzubauen, welches seinen Namen verdient. Unsere Nachbarländer sind uns da teilweise deutlich voraus. Es bedarf dazu auch keiner grundlegend neuen Erkenntnisse. Liest man im ersten großen Dokument des Bundesamtes für Naturschutz zum Wolf,  so finden sich dort diese weisen Sätze (Zitat):

Für Deutschland ist ein pragmatischer Ansatz zu empfehlen, der eine Schadensminimierung verfolgt. Das heißt, Wölfe können sich entsprechend ihrer eigenen Habitatansprüche ausbreiten und werden überall dort toleriert, wo das Ausmaß der wolfsverursachten Schäden und Konflikte mit vertretbarem Aufwand gering gehalten werden kann. Dies ist der in den meisten europäischen Wolfsländern begangene Weg. (Leben mit Wölfen, Reinhardt & Kluth, BfN Skript 201, 2007)

Anstatt nach diesen klar verständlichen Sätzen zu handeln, konserviert man nicht nur in den angesprochenen Bundesländern untaugliche Managementpläne oder Wolfsverordnungen. Dazu setzt man sich mit Vereinen auseinander, die im bedingungslosen Schutz des Wolfes ihr Steckenpferd sehen, denen die aktuelle Entwicklung des Wolfsbestandes und dessen ökologischen Folgen völlig egal sind.  Die Vorstände eines solchen Vereins sind sich in Niedersachsen nicht zu schade, sich als Wolfsberater des Landes öffentlich gegen Entscheidungen des zuständigen Ministers zu stellen. Auch das wäre aktives Wolfsmanagement, diese Leute umgehend von ihren Aufgaben zu entbinden. Das Vertrauen der Tierhalter haben sie ohnehin lange verspielt.

In Schleswig-Holstein hat man das Problem nicht; man hat die Koordination des Monitorings gleich in Vereinshand gegeben. Dort stellt sich ein anderes Problem: Nur ein sehr geringer Teil des Landes wäre nach den zitierten Kriterien des BfN-Skriptes 201 überhaupt „wolfstauglich“ . der Umgang mit diesem Thema dürfte bei den aktuell Verantwortlichen an ihre ideologischen Grenzen stoßen.

Mal sehen was passiert. Das gilt derzeit in Sachen Wolf fast im ganzen Land. Das politische Handeln bzw. die demonstrative Untätigkeit der Verantwortlichen lässt nichts Gutes erwarten, nicht für die Landbevölkerung und nicht für den Wolf. 

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