Wirres Wolfsmanagement - Teil 2

Die abnehmende oder mangelnde Biodiversität wird allerorten beklagt. Der Irrtum, dass die Ausbreitung des Wolfes ein wirksamer Beitrag sei, dem entgegenzuwirken, hält sich hartnäckig. Dabei ist die einzige Vielfalt, die wir ihm zu verdanken haben, in den unterschiedlichen Irrwegen des deutschen Wolfsmanagements zu suchen. Naturschutz ist Ländersache. So kocht sich dort jeder sein eigenes Süppchen. Der Blick aufs Ganze fehlt und scheint Handelnden wie den politisch Verantwortlichen egal, solange Posten und Pfründe gesichert bleiben. Zeitpunkt der Wolfsbesiedelung und Wolfsdichte im jeweiligen Bundesland scheinen dabei keine Rolle zu spielen, wie die nachfolgenden Beispiele zeigen.

In Brandenburg wurde das erste Wolfsterritorium bereits 2006 nachgewiesen. Inzwischen weist das Land die höchste Wolfsdichte weltweit auf. Die Darstellung des Vorkommens und der damit verbundenen Folgen für die übrige Tierwelt und vor allem die Weidetierhaltung kann oder will diesem Geschehen offenbar schon lange nicht mehr folgen. Der längst fällige Hinweis der politisch Verantwortlichen, dass von dieser Region ausgehend der günstige Erhaltungszustand der Art erreicht und die Biotopkapazität weit überschritten ist, wird tunlichst vermieden. So ist die offizielle Anzahl der Vorkommen von 2015/16 (25) bis 2017/18 (38) um 52 % angestiegen. Die Anzahl der Weidetierrisse nahm in dieser Zeit um 94 % zu, der Anteil der anerkannten Wolfsrisse nahm dabei von 72 % auf 63 % ab. Dabei werden die nicht anerkannten Risse nicht mehr in den Listen aufgeführt. Weder die Anzahl der betroffenen Tiere noch räumliche Verteilung oder Gründe für die Ablehnung sind nachvollziehbar. Angesichts bekannt gewordener Missstände bei der Rissbeurteilung ein nicht akzeptabler Zustand, der bei vielen Tierhaltern dazu geführt hat, dass Risse nicht mehr gemeldet und in einigen Fällen die Tierhaltung aufgegeben wurde. Dagegen helfen weder plakative Forderungen noch Mahnfeuer, sondern ausschließlich die Vernetzung der Betroffenen und konsequentes Bekanntmachen der Missstände.

In Sachsen-Anhalt ist der Wolf seit 2009 wieder heimisch. Im Nordostteil des Landes dürften inzwischen die geeigneten Lebensräume flächendeckend von Wölfen besiedelt sein, auch wenn aktuelle Informationen darüber selten zu bekommen sind. So datiert im April 2019 die im Netz gezeigte Verbreitungskarte des Landesamtes für Umwelt vom April 2017, was das Geschehen des Sommers 2016 wiedergibt. Erst wer sich bis auf Seite 70 des letzten Monitoringberichtes 2017/18 vorkämpft, bekommt ein Jahr frischere Informationen. Immerhin geruht man seit einiger Zeit auch, die Risse an Weidetieren nicht mehr nur summarisch als C1-Nachweise zu verstecken, sondern listet sie wie in anderen Bundesländern mit Ort und Datum auf. Die Listen muss man allerdings aktiv suchen. Auf den Seiten des Wolfskompetenzzentrums  Iden sind sie bis heute nicht verlinkt. Glaubt man den daraus zu entnehmenden Zahlen für die beiden vergangenen Jahre so ist zwar die Anzahl der anerkannten Risse zurückgegangen, die Anzahl der getöteten Tiere blieb dabei aber mit 178 bzw. 174 fast konstant. Auffällig ist die steigende Zahl nicht anerkannter Risse von 28 auf 45. Von Hunden gerissene Kälber, davon bei einem Ereignis drei und das innerhalb eines Wolfsterritoriums (Genthin) geben zu denken. Vor allem regen sie zum Nachdenken an, ob das Wolfsmanagement in diesem Bundesland fachlich und ideologisch in den richtigen Händen ist.

Thüringen hat offiziell nur einen Wolf und diese eine Fähe führt das Wolfsmanagement des Freistaates vor. Nicht nur dass sie mit einem Labrador fremdging und 2017 sechs Mischlingswelpen großzog, sie brachte ihnen auch gleich bei, dass die im Umfeld des Truppenübungsplatzes reichlich vorhandenen Schafe eine optimale Nahrungsgrundlage darstellen. Das darauf folgende Possenspiel zwischen grünem Umweltministerium und verblendeten Natur- und Tierschützern war und ist immer noch ein Schulbeispiel dafür, wie Wolfsmanagement nicht geht. Die verantwortlich wie unverantwortlich am Geschehen Beteiligten haben sich für dieses Thema nachhaltig disqualifiziert. Das gilt besonders, weil sich gerade ihre Partei bzw. ihre Verbände die Themen Wolf und Artenschutz als Alleinstellungsmerkmal auf die Fahnen geschrieben haben. Nach zwei Jahren hat man es jetzt geschafft, den vierten der sechs Welpen zu erlegen. Der Verbleib der restlichen ist unbekannt. Sollten sie inzwischen geschlechtsreif abgewandert sein, so hat Thüringen einen validen Beitrag zur genetischen Zerstörung des Wolfsbestandes in Mitteleuropa geleistet, auch eine Leistung.

An einer Stelle befindet sich Thüringen im edlen Wettstreit mit Baden-Württemberg: Welches Bundesland schafft es, für seinen einen territorialen Wolf das meiste Geld auszugeben. In Sachen geringster Effektivität liegt Thüringen weit vorne.

Es ist Zeit, dass nicht nur in den hier genannten Bundesländern verstanden wird, dass man mit provinziellen Planspielen und falsch verstandenem Föderalismus das Thema Wolf nicht in den Griff bekommt. Dies gilt umso mehr, wo auf der Bundesebene im zuständigen Ministerium inzwischen ein Verband regiert, der sich in Sachen Artenschutz und Wolf weder um europäische Richtlinien noch um die lokalen Probleme in den Bundesländern schert. Hauptsache das eigene Wohlergehen, die Postenverteilung und der Spendenfluss sind gesichert. Der Wolf hat wenig Freunde, aber die für ihn gefährlichsten sitzen in einschlägigen Verbänden und Ministerien - manches Mal gleichzeitig und sie sind auf dem besten Wege, das Thema vor die Wand zu fahren.

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