Wo ist eigentlich Afrika?

"Wir als Europäer erwarten zum Beispiel von den Afrikanern, dass sie die Elefanten schützen. Es gibt Elefantenherden, die ganze Dörfer vernichten und Menschen töten - trotzdem erwarten wir, dass die Afrikaner die Elefanten schützen."

Mit dieser fundamentalen Aussage wurde die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks am 18.April vom NDR zitiert. Na wenigstens ist sie noch politisch so korrekt geblieben, dass sie dabei von Afrikanern sprach.

Sieht man ihre Sätze jedoch im Kontext des Interviews, in dem es um die rapide ansteigenden Wolfsbestände in Brandenburg, Niedersachsen und Deutschland insgesamt ging, weiß man, wo der Bewohner deutscher Wolfsgebiete aus Sicht dieses Ministeriums verortet wird.

Beginnt Afrika inzwischen am südlichen Berliner Autobahnring?

Wie weit ist dieses Ministerium einschließlich seiner Chefin eigentlich von der Realität entfernt? Frau Hendricks sieht es so: „Es kann sein, dass der Wolf irgendwann nicht mehr zu den geschützten Arten in Deutschland gehören müsste – aber davon sind wir weit entfernt.“ Eine Stereotype, die aus Ihrem Hause bereits seit Jahren zu vernehmen ist. Man will auch nichts anderes wahrnehmen. Dazu titelt die Märkische Allgemeine am gleichen Tag: „200 Wölfe in Brandenburg“, angesichts aktuell 25 kartierter Vorkommen in diesem Bundesland ein realistischer Wert. Davon tummelten sich nach offizieller Karte 2015/16 südlich der Autobahnen A2 und A12 in Brandenburg 24 Rudel oder Paare. In der direkten Nachbarschaft der sächsischen Lausitz und in Sachsen-Anhalt kam noch einmal die gleiche Zahl hinzu, weitere sind inzwischen bekannt. Macht in der Summe heute mindestens 50 bestätigte Vorkommen zwischen Südraum Berlin, Dresden und polnischer Grenze auf einer Fläche von ca. 15.000 km². Das sind 300 km² je Territorium, also das, was man noch vor wenigen Jahren einem Wolfrudel zubilligen wollte. Das Verbreitungsgebiet mit vergleichbarer Dichte wird sich in diesem Jahr entsprechend vergrößern.

Und WIE BITTE Frau Hendricks - das ist noch nicht genug?

Man staunt über die ökologische Tragfähigkeit unserer Kulturlandschaft.

Man forscht an der Genetik dieser Wölfe und gibt ihnen im Problemfall Namen.

Man empfiehlt zur Lösung von Problemen in der Weidewirtschaft immer höhere Zäune und dazu Herdenschutzhunde, deren Einsatz tierschutzrechtlich bedenklich bis ungesetzlich ist.

Man winkt auch mal mit Geld, aber bitte nur mit kleinen Scheinen! Ob und wann es wo ankommt ist fraglich und sehr unterschiedlich.

Den „günstigen Erhaltungszustand“ des Wolfes aber, den sieht man konsequent in weiter Ferne.

Warum? Weil man auch höheren Ortes weder bereit noch in der Lage ist, diesen für eine Art wie den Wolf in Deutschland überhaupt zu definieren. Man will es auch nicht!

Die heilige Kuh namens Wolf könnte sich gestört fühlen.

Die eigentlichen Probleme will man nicht erkennen:

-          Die Lausitz kann nicht die Zuchtstation europäischer Wölfe sein. Dies widerspricht allen Regeln des Artenschutzes!

-          Probleme des Herdenschutzes lassen sich weder mit (wenig) Geld allein oder mit rein passiven Maßnahmen lösen. Andere Länder haben das im Gegensatz zu Deutschland nie vergessen oder sich schnell wieder daran erinnert!

-          Der Wolf ist keine exotische Art in einem fremden Land, deren Schutz man Eingeborenen ohne Einschränkung abverlangen kann. Er ist Realität vor unseren Haustüren!

Zur Orientierung Frau Ministerin: Gemäß Ihrer fundamentalen Erkenntnis beginnt Afrika ca. 30 km von Ihrer Amtsstube entfernt - direkt hinter dem Schönefelder Kreuz. Überfliegen Sie dieses Gebiet zukünftig in ausreichender Höhe - da sieht man die Probleme nicht so deutlich!

 

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