Wolfsschutz nicht aufweichen ??

So ist es pünktlich zur 87. Umweltministerkonferenz auf der Seite des N A B U zu lesen.

Indien möge mir verzeihen, man hat Angst um seine heilige Kuh! Ist ja alles verständlich, wenn man jahrelang als Verband am Wolf bestens verdient hat. Welcher Betrieb gibt gerne sein wichtigstes Profitcenter preis.

Was dann kommt, sind allerdings Rundumschläge aus der Mottenkiste, dass es nur so staubt. Doch bitte schön der Reihe nach:

-       Das Papier der umweltpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Fraktionen, unter dem Namen „Dresdner Resolution“ bekannt, darf getrost als Angriff auf das Allerheiligste verstanden werden. Den Schutzstatus einer Art korrekt zu begründen und dann herabzusetzen, weil sie ihrer Populationsdynamik folgend konstant um 35 % p.a. vermehrt, könnte man als Erfolg des Artenschutzes bewerten, aber das ist beim NABU nicht gewollt.

-      Es wird eine berechtigte Frage gestellt: „Nicht ob, sondern wie wir mit dem Wolf leben können, ist die entscheidende Frage.“ Diese Frage sollte man tunlichst von den Ländern beantworten lassen, die historisch den Umgang mit dem Wolf nicht verlernt haben. Dabei haben sie eines gemeinsam: Übergriffe auf Nutztiere haben dort regelmäßig tödliche Folgen für den Wolf. Sei es durch Abschuss, Fang oder Vergiften, sei es legal oder illegal, es ist Fakt. Wer die Frage nach dem „WIE“ für Deutschland langfristig beantworten möchte möge sich doch bitte an legal realisierbaren Möglichkeiten für eine ökologische und naturschutzgerechte Weidewirtschaft orientieren.

-    JA, die aktuellen Zuwachsraten der Wolfspopulation in DE sind normal. Niemand will es bestreiten. Alleine der Fakt, dass wir aktuell nach konservativer Schätzung 650 - 700, bei eben diesem Zuwachs bis 2019 über 1.700 Wölfe im Lande haben werden, wirft die Frage auf, wie mit so einer Entwicklung „nachhaltig“ umzugehen ist. Immer so weiter schützen führt zu wenig seriösen Rechenexempeln, in denen an einem imaginären Punkt der Knick in der Vermehrungskurve kommen soll. Wer für die bis dahin eingetretenen Folgen aufkommen möchte - bitte melden - der NABU wird es nicht sein

-  NEIN, die Bestandsentwicklung des Wolfes an eine von Jägern falsch verstandene Hege und daraus resultierend historisch höchste Schalenwildbestände koppeln zu wollen, bedarf schon einer besonderen Logik und völlig fehlenden Verständnisses biologischer Zusammenhänge in der Kulturlandschaft. Intensivere Nutzung in Land- und Forstwirtschaft haben ganz einfach mehr Nahrung und Deckung, damit auch mehr Lebensraumkapazität für diese Arten geschaffen. Wenn dieser Nahrungsreichtum ursächlich für die Zunahme der Wölfe wäre, warum frisst er dann Schafe?

Man kann sich die eigene Welt schön einfach reden, wenn man dabei nicht über den Tellerrand schaut. Es mag auch noch gehen, wenn man das seiner eigenen Klientel spendenwirksam verkaufen will. Fordert man aber mit solchen Thesen einen NABU-gerechten Umbau unserer Kulturlandschaft, geht genau das vor die Hunde (oder deren Stammväter), was sich die Altvorderen dieses Verbandes einmal auf die Fahnen geschrieben haben: Der Naturschutz.

An einem Punkt ist dem NABU gerne Recht zu geben: Ein grenzüberschreitendes Monitoring z.B. mit Polen mit einer ebensolchen Bewertung der hiesigen Wolfpopulation, so wie es die LCIE seit 2008 empfiehlt, wäre sehr zu begrüßen. Die kleinteilige Bewertung des Erhaltungszustandes einer Art  innerhalb politischer Grenzen oder gar biogeografischer Regionen, mag für Weinbergschnecke oder Feldhamster gerechtfertigt sein. Für den Wolf, der bei seiner Ausbreitung in Mitteleuropa bis zu nachgewiesenen 1500 km zurücklegen kann, ist das glatter Humbug, von dem die EU schnellstens abrücken sollte.

Nimmt man eine Bewertung dieser inzwischen regelmäßig umgetauften „deutsch-westpolnischen“ oder „Mitteleuropäischen Flachland“ oder „Zentraleuropäischen“ Wolfspopulation nach den Empfehlungen der LCIE vor, so dürften es zwischen Weichsel und Weser 2015/16 nach deutschen und polnischen Quellen ca. 120 Rudel oder Paare gewesen sein. Das ergibt ein Minimum von 240 adulten Tieren im abgelaufenen Monitoringjahr (bis 30.04.16). Nehmen wir den regelmäßigen Zuwachs von 35 % p.a. hinzu, kommen wir für dieses Jahr auf ca. 320 Tiere. Die Richtlinien der IUCN betrachten 250 adulte Tiere in einer Population bereits als Grenzwert für eine günstige Referenzpopulationsgröße, sofern diese nicht isoliert ist. Dies wird nach vorliegenden genetischen Nachweisen und der aktuellen Verbreitungskarte für Polen heute nur noch ein gnadenloser Hardliner behaupten. Wer dabei auf entsprechende Seiten der IUCN zur Roten Liste schaut, kann das dort sogar noch finden - mit einem Herstellungsdatum aus 2006. Seitdem hat sich diese Population ihrer Biologie folgend verzwanzigfacht.

Die Frage ist, ob und wann Politik dies erkennen will. Für zwischenzeitlich eintretende negative Folgen für Natur und Weidetierhaltung tragen diejenigen die Verantwortung, die heute nicht bereit sind, vorausschauend zu handeln - wenn sie bis dahin nicht abgewählt sind.

Spätestens dann wird sich der NABU nach einer neuen heiligen Kuh umsehen müssen.

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