Zumutungen

Angesichts zu dieser Jahreszeit in wachsender Zahl im Lande herumstreifender und manchenorts sich an Weidevieh vergreifender Wanderwölfe tritt beim Lesen solcher Meldungen eine schon gefährliche Gewöhnung ein. Dabei ist immer wieder zu bedenken, dass jeder dieser Fälle angesichts sehr unterschiedlicher und teilweise intransparenter Ersatzregelungen neben verständlicher Trauer und Wut der Tierhalter für diese auch existenzbedrohend sein kann. Existenzbedrohend auch für alte und seltene Haustierrassen, wenn seltene Zuchtbuchtiere betroffen sind.

Nicht gewöhnungsfähig sind jedoch Äußerungen politisch Verantwortlicher unterschiedlicher Couleur, wenn es um den Umgang mit dem Wolf bzw. Wolfsmanagement und das Konfliktfeld Wolf und Weidetierhaltung im Besonderen geht. Dazu seien drei Beispiele genannt, welche die besondere Ignoranz und fehlende Sachkenntnis dieser Volksvertreter und/oder Entscheidungsträger aufzeigen:

Beispiel 1:

Im Internetportal „Topagrar“ wird am 19.04.16 Dr. Robert Habeck, Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Schleswig-Holstein mit folgenden Worten zitiert:

Tötung von Nutztieren ist nicht mehr zu rechtfertigen

Topagrar.com - Lesen Sie mehr auf: http://www.topagrar.com/news/Schwein-News-Schwein-Mit-Tierwohl-neue-Perspektiven-fuer-deutsche-Tierhaltung-schaffen-3074140.html

Sicher ist dem jungen Herrn Minister entgangen, dass die uns vorangegangenen Generationen nicht immer vor so reich gedeckten Tischen gesessen und vor so vollen Ladenregalen gestanden haben. Möge er seine Eltern oder Großeltern befragen, ob es früher mal anders gewesen sein könnte. Viel wichtiger ist jedoch, dass er Minister in einem Bundesland ist, dessen Weidetierhalter dort DEN entscheidenden Beitrag zu Natur- und Landschaftserhaltung erbringen. In aller Selbstverständlichkeit! Und wenn sie dabei Geld verdienen, versteuern sie es auch noch. Schleswig-Holstein leistet keinen wesentlichen Beitrag zur Massentierhaltung in DE. Dass er verallgemeinernd die Weidetierhalter, für die er mit verantwortlich zeichnet, medial derart mit Füßen tritt, ist unwürdig! Es zeigt, dass der Veggieday in seiner Denke und seiner Partei tief verwurzelt ist.

Beispiel 2:

Dass Niedersachsen einerseits durch Reproduktion und Zuwanderung in einem durch Weidetierhaltung geprägten Land ein gravierendes Wolfsproblem hat, dafür aber auch in Kooperation mit seiner Jägerschaft über eine große Zahl von Wolfsberatern verfügt, ist bekannt und im zweiten Teil sehr lobenswert. Diese Wolfsberater haben sich nicht nur die Zeit für ihre Schulung und Ausbildung genommen. Sie machen ihren Job ehrenamtlich und tragen wesentliche Kosten ihrer Tätigkeit selbst. Dass sie dabei auch eine eigene Meinung zu dem haben, was sie bei ihrer Arbeit feststellen, und sei es nur um die Wiedergabe eindeutig feststellbarer Tatsachen, geht offenbar dem zuständigen Minister zu weit:

Wer mit den Stichworten: „wenzel wolfsberater maulkorb“ googelt, wird im Netz unterschiedliche Beiträge zu einem „Verhaltenskodex“ finden, mit dem sich angesichts der zweifelsfrei schwierigen, weil in ihrer Entwicklung schlicht verschlafenen Situation, der zuständigen Umweltminister, Herrn Stefan Wenzel, noch weiter in eine selbst gewählte Abseitsposition manövriert. Niedersachsen hat mit der Wölfin von Vechta (derzeit sehr ruhig und wohl in der Wurfhöhle) und Kurti (MT6), zeitweilig mit Kurtisane und auch von ausländischem Experten „vergrämt“, reichlich Beispiele, wie man sich mit einem pragmatischen und artgerechten Wolfsmanagement politisch profilieren könnte. Allein man will es nicht, weil das, was im Managementplan für solche Fälle steht, nicht in das Weltbild der Entscheider passt.

Nach Kurtis erneuten Eskapaden, die nicht erst jetzt als ernsthaft einzustufen sind, durfte wenigstens die zuständige Staatssekretärin verkünden, dass dieser nun zu internieren sei. Über die Gehegehaltung von in Freiheit aufgewachsenen Wölfen mögen die Entscheidungsträger anhand der hoch gepriesenen Managementpläne und darin zitierter Literatur selbst urteilen. 

Es hieß einmal, dass wir in DE von den Ländern lernen sollten, die historisch den Umgang mit Wölfen nicht verlernt haben. Dort ist es selbstverständlich, dass Wölfe oder andere Großraubtiere bei  nicht zu vermeidender Gefahr für Menschen und/oder Nutztiere geschossen werden, um hier den Euphemismus der „ENTNAHME“ zu vermeiden. Diese Länder haben deutlich weniger oder keine Konflikte mit diesen Arten. LERNEN!

Beispiel 3:

Nicht, um hier der politischen Ausgewogenheit zu genügen, hier von einem Vertreter einer anderen Landesregierung und auch Partei und auch nicht im vollen Licht der Öffentlichkeit erklärte der zuständige Staatssekretär des Sächsischen Umweltministeriums, Herr Wolf, am 23. 04. auf dem Sächsischen Landesjägertag nicht nur, dass Sachsen über ein vorbildliches Wolfsmanagement verfüge (siehe wolfszone.de HIER), sondern dass es nach bestätigten Angaben dieses Wolfsmanagements im ablaufenden Monitoringjahr in Sachsen 10 Wolfsrudel gegeben habe.

PEINLICH !!

Der gute Mann hatte die Morgenzeitung des gleichen Tages nicht gelesen, denn in der Sächsischen Zeitung war (HIER unterlegt mit grafischer Darstellung) nachzulesen, dass sich aktuell 16 Wolfsrudel im und am Rande des  Freistaates tummeln. Dieser Zuwachs zum Vorjahr wäre biologisch kaum erklärbar, also nennen wir es Missmanagement, ein Begriff, der auch den vorherigen Beispielen durchaus zugeordnet werden darf.

Die Fortsetzung dieses dilettantischen Umganges politisch Verantwortlicher mit dem Wolf wird mehreren Bereichen massiven Schaden zufügen:

DEM NATURSCHUTZ, DEM ARTENSCHUTZ, DER ARTGERECHTEN NUTZTIERHALTUNG

UND

LAST NOT LEAST

DEM WOLF!

Liebe Politiker: WOLLT IHR DAS ????????????

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