Manifest zur Erhaltung des Wolfes

Nicht autorisierte Übersetzung aus dem Englischen

Der Originaltext in der weiterhin aktuellen Fassung findet sich HIER

Die Wolf Specialist Group der Arterhaltungskommission der IUCN hat dieses Manifest zuerst 1973 beim ersten internationalen Meeting zur Erhaltung des Wolfes in Stockholm angenommen. Es wurde 1983, 1996 und 2000 revidiert.

Dieses Papier ist offiziell nur auf Englisch verfügbar, daher wird hier auf die eigene (nicht autorisierte) Übersetzung Bezug genommen.

In den 12 Punkten dieses Manifestes finden sich einige sehr deutliche Aussagen, welche die derzeit offizielle Linie des dogmatischen Wolfsschutzes auf europäischer Ebene vielfach in Frage stellen. Dies sollte als Anregung dienen, unter dem Aspekt der heute objektiv nicht mehr belegbaren Gefährdung der „Mitteleuropäischen Flachlandpopulation“ des europäischen Grauwolfs auf eine sachliche Grundlage zurückzuführen, die dem Wolf dort, wo objektiv auch Raum für ihn ist, langfristig seinen Erhalt sichert.

1.   Wölfe, wie unsere gesamte Tierwelt, haben ein Recht, in lebensfähigen Populationen in Freiheit zu leben. Dieses Recht steht in keiner Weise in einem Bezug zu ihrem Wert für die Menschheit. Stattdessen leitet es sich aus dem Recht aller Lebewesen ab, mit dem Menschen als Teil natürlicher Ökosysteme zu existieren.

2.   Das Wolfsrudel ist eine hoch entwickelte und einmalige soziale Organisation. Der Wolf ist eines der anpassungsfähigsten und am höchsten entwickelten Raubsäuger. Er hat eine der der größten geografischen Ausbreitungen aller Säugetiere. Er war und ist ein einigen Gebieten der wichtigste Beutegreifer von Hochwild in der nördlichen Hemisphäre.  In seiner Rolle hat er zweifelsfrei eine eine bedeutende Rolle in der Evolution dieser Arten und insbesondere ihrer Eigenschaften gespielt, die sie zu begehrenswertem Wild machen.

3.   Es ist anerkannt, dass Wolfspopulationen sich in Einheiten differenziert haben, die sich bestimmten Umweltbedingungen genetisch angepasst haben. Es ist von besonderer Bedeutung, dass diese lokalen Populationen in lebensfähigen Beständen in ihrer natürlichen Umgebung frei lebend erhalten werden.  Der Erhalt der genetischen Identität lokal angepasster Populationen liegt in der Verantwortung von Stellen, welche die Wiedereinführung von Wölfen in Freiheit planen.

4.   Die Reaktion des Menschen zu historischer Zeit war es, wie dem Handeln Einzelner oder von Regierungen zu entnehmen ist, der Versuch, den Wolf auszurotten, obwohl einige Gesellschaften eine neutrale oder positive Einstellung zum Wolf hatten. In mehr als einem Drittel der Länder, wo der Wolf vorhanden war, hatte der Mensch entweder Erfolg oder stand am Rand des Erfolges bei der Ausrottung der Wölfe. Dies ist eine unglückliche Situation, weil jetzt die Möglichkeit für  Managementprogramme besteht, die ernste Probleme mildern würden, während dem Wolf wieder gestattet sein könnte, in vielen Teilen der Welt zu leben, wo seine Anwesenheit verträglich wäre.

5.   Die harte Verurteilung des Wolfes basiert erstens auf der Furcht vor dem Wolf als Raubtier für den Menschen und zweitens auf dem Hass wegen des Erbeutens von Haustieren oder halbwild lebenden Haustieren sowie großen Wildtieren. Es ist heute nachgewiesen, dass der Wolf nicht länger als ernsthafte Bedrohung für den Menschen angesehen werden kann. Aber es ist war, dass der Wolf ein bedeutender Räuber von Haustieren, halbwild lebenden oder Wildtieren war und in einigen Fällen noch ist.

6.  Der Konflikt mit dem Menschen entsteht teilweise durch ungebührlichen wirtschaftlichen Wettbewerb oder durch unausgewogene Räuber- Beutebeziehungen, die Beutetierpopulationen oder gar den Wolf selbst negativ beeinflussen. In solchen Fällen kann die zeitweise Reduktion von Wolfspopulationen notwendig werden, speziell wenn sie dazu beitragen kann, eine positive oder neutrale Einstellung zum Wolf zu erhalten; das Maß der Reduktion sollte dabei unter strenger wissenschaftlicher Kontrolle festgelegt werden. Die Methoden müssen selektiv, problembezogen und  stark diskriminierend (?)sein und minimale negative Effekte für das Ökosystem aufweisen. Ein alternatives Ökosystem-Management, einschließlich der Veränderung menschlicher Aktivitäten und Einstellungen und nicht tödliche Methoden des Wolfsmanagements sind dabei voll in Erwägung zu ziehen, bevor eine tödliche Wolfsreduktion  eingesetzt wird.  Das Ziel des Wolfsmanagements muss es sein, eine gesunde Balance in allen Teilen des Ökosystems wieder herzustellen und zu erhalten. Wolfsreduktion soll niemals in der vollständigen Entfernung der Art  aus irgendeinem Teil seines natürlichen Verbreitungsgebietes münden.

7.   Der Effekt größerer Umweltveränderungen durch ökonomische Entwicklung kann ernste Konsequenzen für das Überleben der Wölfe  oder ihrer  Beutetiere haben, wo Wölfe heute existieren. Die Anerkennung der Wichtigkeit und des Status von Wölfen sollte in der Gesetzgebung und Planung für jede Region einbezogen werden.

8.    Wissenschaftliche Kenntnis über die Rolle des Wolfes in Ökosystemen hat stark zugenommen, obwohl es in vielen Ländern nicht adäquat ist, wo der Wolf heute existiert. Das Management ist auf einer sicheren wissenschaftlichen Basis aufzubauen, unter Beachtung der internationalen, nationalen und regionalen Situation. Jedoch ist vorhandenes Wissen letztlich ausreichend, um vorläufige Programme zum Erhalt und Management des Wolfes in seinem Gebiet zu entwickeln.

9.    Die Bewahrung des Wolfes in einigen Gebieten kann erfordern, dass die Gesellschaft zum großen Teil die Kosten dafür tragen muss, z. B. durch die Kompensation für Verluste an Haustieren, im Gegenzug gibt es Gebiete von hohem landwirtschaftlichem Wert, wo es nicht wünschenswert ist, Wölfe ohne irgendeine Form der Kontrolle zu erhalten und wo ihre Erholung nicht wünschenswert wäre.

10 In einigen Gebieten hat es eine deutliche Veränderung in der öffentlichen Meinung gegenüber dem Wolf  gegeben. Diese Veränderung hat Regierungen beeinflusst,  archaische Gesetze zu revidieren oder zurückzunehmen. Es ist anerkannt, dass Bildung zur Etablierung eines realistischen Bildes des Wolfes und seiner Rolle in der Natur essenziell wichtig für sein Überleben ist. Erziehungsprogramme müssen jedoch auf Tatsachen beruhend und genau sein.

11. Sozio-ökonomische, ökologische und politische Faktoren müssen bedacht und gelöst sein, bevor der Wolf in biologisch für ihn geeignete Gebiete wieder eingeführt wird, in denen er ausgerottet  war. Der natürlichen Erholung jedoch sollte entsprechend den IUCN Richtlinien zur Wiedereinführung der Vorzug gegeben werden.

12.  Wolfs-Hund Hybridisierung ist potenziell schädlich für die Wolfserhaltung und wird wegen ihrer möglich negative Effekte abgelehnt.

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KOMMENTAR


Das        MANIFEST ZUR ERHALTUNG DES WOLFES           ein seit seiner ersten Ausgabe 1973 mehrfach geändertes Papier der IUCN, hat nach 40 Jahren und verschiedenen Aktualisierungen nicht an Bedeutung verloren und ist auch heute noch bestens geeignet, strikte Befürworter und Gegner des Wolfsschutzes zur Mäßigung aufzurufen.

Dieses Papier ist offiziell nur auf Englisch verfügbar, daher wird hier auf die eigene (nicht autorisierte) Übersetzung Bezug genommen.

In den 12 Punkten dieses Manifestes finden sich einige sehr deutliche Aussagen, welche die derzeit offizielle Linie des dogmatischen Wolfsschutzes auf europäischer Ebene vielfach in Frage stellen. Dies sollte als Anregung dienen, unter dem Aspekt der heute objektiv nicht mehr belegbaren Gefährdung der „Mitteleuropäischen Flachlandpopulation“ des europäischen Grauwolfs auf eine sachliche Grundlage zurückzuführen, die dem Wolf dort, wo objektiv auch Raum und Beute für ihn ist, langfristig seinen Erhalt sichert.

Die folgenden Zitate aus dem Manifest sollen dazu anregen, die derzeit verfolgte Linie des Wolfsschutzes in Deutschland zu überdenken:

Zu 1. Das Recht des Wolfes, „als Teil natürlicher Ökosysteme zu existieren“, wird ihm hier niemand absprechen. Dazu gehört jedoch die Erkenntnis, dass eben diese Gebiete nur einen minimalen Teil unseres Landes umfassen. Der Rest ist Kulturlandschaft, die sich in einem Jahrhunderte umfassenden Prozess im wesentlichen in Abwesenheit des Wolfes entwickelt hat und sich nur in einem vergleichbaren Zeitrahmen unter Entsiedelung wieder renaturieren ließe – wohl kaum praktikabel.

Zu 2. Dieser Punkt ist all jenen in der Jägerschaft ins Stammbuch zu schreiben, die ihrer Passion konkurrenzfrei nachgehen möchten und daher ihr Jagdgebiet „wolfsfrei“ haben wollen. Dies ist mit unterschiedlicher Intensität im Osten Deutschlands nie der Fall gewesen (Goretzki et al.).

Zu 3. Hier seien in besondere Weise diejenigen angesprochen, die Deutschland heute als das wichtigste „TRANSITLAND“  europäischer Wölfe sehen wollen. Schon vor 40 Jahren hatten die Experten richtig erkannt, dass der Erhalt aufgrund lokaler Anpassung genetisch differenzierter Populationen von besonderer Bedeutung sei. Es gibt keinen Grund, diese Erkenntnis in Zweifel zu ziehen. Der seinem Streifgebiet angepasste C. l. italicus dürfte seinen nordöstlichen Anverwandten, zu denen der Kontakt spätestens in der letzten Eiszeit abbrach, kaum eine genetische Hilfe sein.

Zu 4. Die Ausrottung des Wolfes in den Gebieten, wo er heute (noch nicht wieder) heimisch ist, basierte auf den Interessen der Landwirtschaft und Tierhaltung (Landbevölkerung, Natur- u. Wasserschutz?). Dies ist im übertragenen Sinne auch heute von besonderer Bedeutung, da die kleinräumige Tier-  und insbesondere Schafshaltung einen besonderen ökologischen Wert für den Erhalt unserer Landschaft und der darin enthaltenen Biotope darstellt, den die industrielle Land- und Energiewirtschaft nicht leisten kann. Die Unverträglichkeit von Wolfsschutz und Schafhaltung beweist sich sowohl in Mittelgebirgsregionen wie in den Deichlandschaften der Nordseeküste.

Zu 5. Die Risiken für die Haustierhaltung werden hier sehr wohl erkannt. Eine Negation der Risiken für die Landbevölkerung mag unter den aktuellen Verhältnissen in Mitteleuropa berechtigt sein, das Geschehen in anderen Ländern sollte dabei aber nicht ausgeblendet werden.

Zu 6. Die zeitweise Reduktion nicht gefährdeter Wolfspopulationen kann in diesem Manifest als fest stehende Regel angenommen werden. Die Forderung, dass eine Reduktion im positiven wie negativen Sinne minimale Effekte für das Ökosystem aufweisen solle, kann nur wörtlich verstanden werden, d. h. leben und leben lassen!

Zu 9. Dieser Punkt ist im direkten Zusammenhang mit den offiziellen Papieren u.a. des BfN zu sehen, die begleitend zur Rückkehr des Wolfes nach Deutschland publiziert wurden. Deren Inhalt wird inzwischen auch von den Autoren konsequent ignoriert, als Beispiel sei hier nur die Schafshaltung auf den Deichen Dithmarschens genannt.

Zu 10. Diese Forderung ist den handelnden Personen zu Punkt 9 in Erinnerung zu rufen!

Zu 11. Dieser Aspekt ist im Zusammenhang mit Punkt 3 zu beachten. Eine „natürliche“ Ausbreitung,  die mit menschlicher Förderung europäische Subpopulationen des Wolfes unkritisch vermischt, zerstört unwiederbringlich genetische Differenzierungen, die sich anhand lokaler Anpassungen über viele Generationen entwickelt haben. Dazu reicht „ketzerisch gesagt“ EIN Kistenwolf (?).

Zu 12. Während die Hybridisierung in Deutschland seit 2000 erst einmal nachgewiesen wurde, wurden bei in Polen untersuchten über 1 200 Proben wurden zuerst  17 Proben von Hybriden ausgesondert und nicht mit analysiert. Dies stellt eine deutlich größere Gefahr für einen Wolfsbestand dar, als die Vermischung unterschiedlicher Populationen. Solche Mischlinge werden heute teilweise planmäßig gezüchtet. Dies geschieht ungeachtet der bekannten Risiken bei der Haltung dieser Tiere.  Auch waren sie bereits als „Wolfsersatz“ im deutschen Fernsehen zu bewundern.

Dieses Manifest beschreibt in aller Sachlichkeit die Voraussetzungen, wie eine im Rahmen des Möglichen friedliche Koexistenz mit dem Rückkehrer Wolf aussehen könnte.  Der Umgang der Gesellschaft mit dem Thema Wolf wäre deutlich konfliktärmer, wenn sich gerade die Vertreter der radikalen Standpunkte den Inhalt dieses Textes verinnerlichen würden. Weder die schon religiöse Überhöhung des Wolfes zur Leitart einer gesunden Natur, dem jegliches Geschehen auch im letzten Winkel unserer Kulturlandschaft unterzuordnen sei, noch seine völlige Verbannung aus einem Land, aus dem er nie völlig verschwunden war, sind langfristig zielführend.

Derzeit gibt es nur ein Land in Europa, in dem man hierzu einen tragfähigen Kompromiss gefunden hat. Das Projekt Wolf der spanischen Naturschutzorganisation FAPAS ist in dieser Beziehung beispielhaft. Ohne das hier zitierte Manifest zu erwähnen, hat man im Nordwesten Spaniens durch ein Zonensystem erreicht, dass sowohl für den Wolf als auch für die Weidewirtschaft ausreichend  Raum verbleibt. Die Beschreibung des Projektes ist für jeden, der sich mit dem Thema Wolf in einer Kulturlandschaft befasst, eine Pflichtlektüre! Dabei darf nicht vergessen werden, dass der dort gefundene Kompromiss nur auf Kosten exorbitanter Schadenersatzleistungen für Schäden an Weidevieh immer wieder neu erkauft werden muss.

Dieses Niveau wird weder mit den Vertretern der bei uns mit Hilfe des Wolfes Spenden sammelnden Naturschutzverbände oder den teilweise nicht mehr ernst zu nehmenden Eiferern für den Wolf noch mit der konsequenten „No Wolf- Fraktion“ zu erreichen sein. Dies ist auch von den offiziell mit dem Wolf befassten Stellen zu beachten, wenn sie die in den verschiedenen Managementplänen postulierte Akzeptanz des Wolfes erreichen wollen. Diese gibt es derzeit wohl nur in den Fußgängerzonen westdeutscher Großstädte.

FN 30.08.13                                                                                                                                                                                                   DRUCKVERSION

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