Bilder sagen mehr als …Das Wolfsmonitoring in Deutschland im Vergleich mit unseren Nachbarn
Nehmen wir diese drei Bilder, die den Stand des Wolfsmonitorings bzw. die öffentliche Darstellung seiner Ergebnisse durch die offiziellen Stellen wiedergeben:
Deutschland:

Belgien:

Dänemark:
Sie sind auf den offiziellen Seiten der Länder veröffentlicht:
https://www.dbb-wolf.de/Wolfsvorkommen/territorien/karte-der-territorien
https://biodiversite.wallonie.be/files/01.IMAGES/01.eval_biologique/01.monitoring_especes/Explicatif/Mammif%c3%a8res/Loup/synthese_louveteaux_2025_2026_2.jpg
https://www.ulveatlas.dk/nyheder/ny-hvalperekord-i-den-danske-ulvebestand/
Hier ist bestens zu sehen, welchen Stellenwert die Wolfsverwaltungen unserer Bundesländer dem Monitoring und der Information der Bevölkerung über das Wolfsgeschehen im Lande beimessen, denn was von Ihnen nicht an die DBBW gemeldet wird, kann auch nicht auf der Karte erscheinen. Gerade einmal Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen sind bisher bereit, ihre Erkenntnisse auf der dafür bei der DBBW vorgesehenen Seite zu platzieren. Selbst wenn man das im April abgelaufene Monitoringjahr 25/26 aufruft, findet man dort erst die Angaben aus acht Bundesländern mit ca. einem Drittel des anzunehmenden Wolfsbestandes in Deutschland. Selbstverständlich kann sich der interessierte Betrachter auch durch die mit wenigen Ausnahmen intransparenten Seiten föderaler Wolfsseiten hangeln, der Blick aufs Ganze bleibt dabei versagt.
An dieser Stelle sei den Verantwortlichen der Blick in unsere Nachbarländer empfohlen, von denen Belgien in diesem Monat eine komplette Aufschlüsselung der Rudel in der Wallonie geliefert hat, komplett mit 26er Welpenzahlen und mit einer Ausnahme den GW-Nummern der Elterntiere, die damit auch den Bezug zu den in Deutschland erfassten Wölfen ermöglichen. Angesichts einer dynamischen Entwicklung mit je zwei neuen Territorien in diesem und im letzten Jahr darf man in dort von sehr professioneller Arbeit und dem Willen zur Transparenz ausgehen.
Aktuell hat sich auch Dänemark mit einer Schlagzeile zu Wort gemeldet, die bis nach Deutschland gedrungen ist: Bis zum September konnte man in 11 von inzwischen 15 Territorien bereits 61 Welpen aus diesem Jahr nachweisen (siehe Link). Das ist ein erheblicher Zuwachs gegenüber dem Vorjahr, den man bei den Welpen mit 35 % und der Rudelzahl mit 57 % angibt. Bei einem der zwei Paare sei es noch ungewiss, ob es Nachwuchs gegeben hat und in drei weiteren Gebieten wird noch geprüft, ob sich dort gemeinsam umherstreifende Wölfe bereits in einem Revier etabliert haben.
Die Territorien verteilen sich über ganz Jütland von der deutschen Grenze bis nach Skagen und man geht von einem weiteren Anwachsen des Bestandes aus, was bei durchschnittlich bisher 5,5 Welpen pro Wurf in diesen Jahr, diese Zahl ist vorläufig, durchaus zu erwarten ist. Das steht in deutlichem Gegensatz zu Vermutungen aus der Vergangenheit, der dänische Wolfsbestand könne sich nur mit einer kontinuierlichen Zuwanderung aus Deutschland halten. Nimmt man die seit Beginn bekannten Zahlen aus Dänemark, erster Wurf in Ulfborg 2017, sind dort seitdem in 30 Würfen 181 Welpen belegt, was einem Durchschnitt von 6 Welpen pro Wurf entspricht. Übertroffen wird das aber von Belgien, wo dieser Wert bei 6,5 liegt. In Deutschland lassen sich ca. vier Welpen pro Wurf ermitteln. Hier stellt sich die Frage, ob die von hier unseren Nachbarn eingewanderten Wölfe dort fruchtbarer sind, oder ob man dort beim Monitoring genauer hinschaut.
Sicher hat der Wolfsbestand, bezogen auf die Gesamtfläche Jütlands, dort noch nicht, wie im Artikel erwähnt, seine biologische Obergrenze (Kapazitätsgrenze) erreicht. Dazu gehört aber wie in allen Ländern, die jetzt von Wölfen besiedelt werden, die kritische Frage, ob unsere stark genutzten Kulturlandschaften, in denen die Natur teilweise nur noch Nischen besetzen kann, einen Spitzenprädatoren wie den Wolf vertragen, den man bis zum Erreichen einer Kapazitätsgrenze unreguliert gewähren lässt.
Die FFH-Richtlinie verpflichtet die Mitgliedsländer der EU, die in ihr gelisteten Arten in einem günstigen Erhaltungszustand zu bewahren oder ihnen die Möglichkeit zu geben, diesen zu erreichen. Mehr nicht!
Die Zentraleuropäischen Subpopulation des Wolfes hat nach Erhebungen der LCIE in der Summe der neun Länder, über die sie sich inzwischen ausgebreitet hat mit über 500 Rudeln inzwischen das Doppelte dessen erreicht, was auch langfristig für ihren genetischen Fortbestand erforderlich ist (500 adulte und an der Reproduktion teilnehmende Tiere).
Es besteht also kein Grund, Wolfsbestände lokal bis an die Kapazitätsgrenze anwachsen zu lassen. Der Streit darüber ist hier bei uns ungeachtet jetzt geschaffener rechtlicher Möglichkeiten im Gange. Er wird auch unsere Nachbarn bald erreichen.
In jedem Fall ist festzustellen, dass man uns in beiden Nachbarländern, was Qualität und Transparenz des Wolfsmonitorings angeht, nach weniger als der halben Zeit ihres Wolfsvorkommens um Jahre voraus ist. Mit den aktuellen Strukturen werden wir diesen Standard in Deutschland auch nicht erreichen.